wacht die Neigung dazu, wie die Erfahrung zeigt, erst dann,wenn sie im Alter schon ziemlich vorgerückt sind, und in derReget erst zu einer Zeit, wenn das Maximum ihrer Leistungs-fähigkeit bereits überschritten ist. Mit der Abnahme der kör-perlichen Energie schwinden auch die Pläne, Erwartungen undHoffnungen für die Zukunft auf ein kleineres Maaß zusammenund diese scheint daher immer ärmer zu werden. Da ist esdenn eine ganz natürliche Richtung der Reflexion, daß sich unserBlick nunmehr mit Vorliebe der reicheren Vergangenheit zu-wendet. Und wie ein Jeder, der nicht ganz gedankenlosdurch das Leben geht, wenn er an einem wichtigen Wende-nder Haltepunkt angelangt ist, einmal wohl das Bcdürsnißsuhlt. Vor- und Rückschau zu halten, so auch und noch vielmehrDerjenige, welcher an dem in dem vorgesetzten Motto an-gedeuteten Punkte angelangt ist, von welchem mau nicht mehrviel vorwärts, sondern nur noch rückwärts blickt.
In vorgerücktem Alter durch Krankheit genöthigt, meingeliebtes Lehramt jüngeren Kräften zu überlassen, sitze auch ichin meinem Altenstübli und denke der Vergangenheit. Es warmir vergönnt, 42 Jahre als akademischer Lehrer und davonüber 30 Jahre au derselben altehrwttrdigen Anstalt zu wirken,welcher auch mein Vater und Großvater angehörten und derenSchüler ich einst gewesen war.
Mein ganzes Leben ist daher mit derselben auf dasInnigste verknüpft, und daß ich mich ihr ganz zu eigen suhle,daß ich in ihr in der That meine alma mater verehre, beruhtdaher Wohl auf gutem Grunde. Und auch jetzt, da ich ihrnicht mehr so wie früher dienen kann, lebe ich mit ihr fort,und insbesondere ist es natürlich die medicinische Facultät,deren Schicksale in der Gegenwart, deren Geschichte in der Ver-gangenheit und deren Hoffnungen für die Zukunft ich stets mitder lebhaftesten Theilnahme verfolge.
So habe ich in den stillen Stunden aufgezwungener Mußein meinem Altenstübli die 42 Jahre meiner Laufbahn als