stehen konnte, als sein Principal seit dein Gebrauche von Stahlbädcrn auf ärzt-liche Anordnung nur Liebfrauenmilch-Stift trinken durfte; für ihn hatte daherZimmermann diesen Wein, für sich selbst und Gnstav'S Neffen aber andern Rhein-wein bestellt. Der Sekretär bringt bei Gnstav'S Rückkunft zur Rechtfertigungseiner Voreiligkeit vor, sie hätten nicht geglaubt, daß die Erledigung der Ge-schäfte auf der Regierung so bald erfolgen würde, und so hätten sie denn gewagt,ihren sich meldenden Appetit vorher zu befriedigen, ohne die Rückkunft des Majorsabzuwarten. Letzterer rümpft zwar die Nase über diese Dreistigkeit, sagt aberweiter nichts und setzt sich zum Frühstück nieder. Nach Ernstens Mitthcilunghat Zimmermann eine augenblickliche Abwesenheit seiner benutzt, den Wein indie Gläser zu schenken, angeblich, um zu sehen, ob der Wein auch nicht verdorbensei. Gar bald nun darauf, als Gustav den ersten Schluck aus dem für ihnhingesetzten Glase zu sich genommen hat, wird er blitzblau im Gesicht und fängtan unwillkürlich mit den Händen zu schlagen. Nachdem nun ferner ein Zustand ein-tritt, der nach einem Schlaganfalle aussieht, wird Gustav auf ein Logirzimmcr ge-bracht und sofort ein Arzt geholt. Dieser erkennt aber, da sich eine großeÜbelkeit im Magen und dann starkes Erbrechen einstellt, daß kein Schlaganfallvorliegt, sondern prognoscirt auf eine Vergiftung, etwa durch Grünspan auseinem nachlässig gereinigten kupfernen Kochgeschirre; er läßt daher zunächst lau-warme Milch und Eiweiß einnehmen und in der Apotheke ein starkes Brechpulvcrbereiten, nach dessen Einnahme aller Mageninhalt mit dem (allein Vermuthcn»ach aus einer allzu großen Arscnikgabe bestehenden) Gifte glücklich ausgebrochenwird. Hierauf gcräth Gustav in einen so kolossalen Schweiß, daß ununterbrochendie Wäsche gewechselt und durch frische erwärmte ersetzt werden muß. Der Arztbleibt die ganze Nacht bei ihm und ordnet dam: nach einigen Tagen an, daßGustav in einem verschlossenen, mit Betten ausgefüllten Wagen den über 7 MeilenIvetten Weg nach Haus zurücklegt; „denn", sagt er zu ihm, „Sie werden sehr,und sehr lange krank bleiben!" Und dies war in der That der Fall, bis gegenEnde des Jahres 1830 lag Gustav au erschrecklichen Magen- und Darmschmerzcndarnieder, so daß oft sein Stöhnen bis in weite Entfernung vom Krankenlagervernommen werden konnte. Während dieser Zeit ließ sich der Sekretär Zimmer-mann nie bei seinem Principale sehen, kam nur alle Morgen zu dem Bedientendesselben geschlichen und frug: „was macht der Major?" und änderte dann oftseine morgendliche Frage in die: „nun ist der Major noch nicht tot?"
Gustav's gute Natur überwand aber die schwere Vergiftung, und nachdemer sich wieder etwas gekräftigt fühlte, ließ er sich öfters aus der AmtsstubeAkten holen. Schon gleich im Anfange stößt ihm manches auf, was ihm nichtin Ordnung zu sein scheint, er läßt sich daher nach und nach immer mehr Aktenauf das Bett kommen und findet denn zu seinem Schrecken die erstaunlichstenDinge. Schließlich lassen ihm die schrecklichen Entdeckungen keine Ruhe, er läßtsich ankleiden und hinauf auf das Amtszimmer führen. Schon bei Gustav'sErscheinen merkt Zimmermann, was die Glocke geschlagen hat, fängt, als Gustavsagt, er wünsche Auskunft über dies und das, an am ganzen Körper zu zittern,spricht konfuses Zeug, und als dann Gustav zu ihm sagt: „nun, ich sehe, wiedie Sachen stehen, es bleibt mir nichts übrig, als Ihnen die Vollmacht gericht-lich abnehmen zu lassen, Gott sei Ihnen, Sünder, gnädig und barmherzig!"faßt er mit der linken Hand Gustav an der Brust und will mit der rechtenHand nach dem Gewehrschranke langen, in dem eine Anzahl stets geladener Jagd-gewehre und Pistolen hing. Da hat denn Gustav noch so viel Kraft, daß erden Verbrecher von sich stößt, nach dein Fenster eilt und über den Schloßhofhinüber den Dreschern zuruft. Glücklicherweise rührt sich auch im Nebenzimmer