Druckschrift 
Folge 6 (1887)
Entstehung
Seite
282
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bürg, wohnte im April 1813 der Belagerung und Erstürmung von Spandau bei,darauf der Verennung von Wittenberg, dem Treffen bei Trebbin und derSchlacht bei Großbccrcn (23. August 1813).

Als darauf bei Beginn der Schlacht bei Dennewitz (6. Sept. 1813) dasBülow'sche Corps vom sogenannten Windmühlenbcrge herab zum Angriff vor-schreitet, fühlt Gustav plötzlich einen heftigen Schmerz infolge eines vor dielinke Kniescheibe durch ein viereckiges Stück Blech erhaltenen Prellschusses, hataber augenblicklich keine Ahnung davon, daß er einen viel gefährlicheren Schußin die Weichtheile des rechten Oberschenkels durch ein unregelmäßiges StückEisen erhalten gehabt hat. Erst als ein anderer Offizier ihn darauf aufmerksammacht, daß ihm das Blut aus dem rechten Stiefel quölle, darauf am Pferdehinunter sieht, fühlt er denn auch den nun sich einstellenden heftigen Schmerz,geräth in Zuckungen, fällt vom Pferde herab und verliert sehr bald durch dengroßen Blutverlust das Bewußtsein. Hinter die Schlachtordnung zurückgebracht,wird ihm nach gewonnener Schlacht chirurgische Hülfe zu Theil. Auf einer mitStroh belegten Schubkarre wird dann Gustav am 9. Sept. nach Potsdamtransportirt in das Haus eines Koncertmeistcrs, dessen Töchter sich blcssirteOffiziere zur Pflege ausgebeten haben. Hierselbst den anderen Tag zum Be-wußtsein gekommen, findet er sein Bett umgeben von diesen drei jungen Damen,von denen die Eine in Ungewißheit über das Schicksal ihres in der Schlachtebenfalls engagirt gewesenen Bräutigams in Thränen zerfließt, die andere ihmetwas auf dein Pianoforte vorspielen will und die dritte von Heirathen zu sprechenbeginnt. Als nun Gustav, bei dem sich nunmehr Wundfieber eingestellt hat, in-folge dessen er ti Wochen fast kein Auge zuthut und in diesem Zustande ihm dieleiseste Erschütterung entsetzliche Schmerzen verursacht, die jungen Damen bittet,ihn doch der Ruhe zu überlassen, und a. a. auch erklärt, daß er in solcher Ver-fassung an Heirathcn unmöglich denken könne, wird er unter großer, die Schmerzenenorm steigernder Umständlichkeit in das Ncbenhaus einquartiert. Bei Gustav'sgesunder Konstitution und reinen Säften nahm die Heilung der Wunde insoferneinen guten Verlauf, als kein Brand, vielmehr baldige Vcrnarbnng eintrat; freilichkonnte nicht verhindert werden, daß der rechte Fuß nach und nach hinten bis indie Gegend des Kreuzes in die Höh gezogen wurde, denn das Eiscnstück hattebeim Durchschlagen des Muskelflcisches sich gedreht, ein großes Loch gerissen(sodaß man ein Bierglas hätte durchstecken können) und obendrein die eine Sehneganz, die andere halb durchgerissen. Als sich nun eine Kur durch Gebraucheiner heißen Quelle als nothwendig erwies und Gustav den Transport dahinwagen durfte, begab er sich am 1t>. Dez. auf die Reise nach Töplitz. Ans demWege dorthin besuchte er seine Mutter und Schwestern in Dresden und reisteerst am 12. Januar 1814 nach dein Bade weiter. In Töplitz blieb er bis zum8. Februar. Nach 8 Tage langem Kurgebrauch verspürte Gustav, der sich nurmit Hülfe von Krücken bewegen konnte, schon wesentliche Besserung, sodaß er einegroße Armkrücke ablegen konnte und dafür nur eine Handkrückc nöthig hatte. Nachabermals 8 Tagen konnte er auch die zweite große Krücke ablegen und bewirkteseine Bewegungen nur noch durch zwei Handkrückeu. Nach abermals 4 Wochenhatten sich die Sehnen und Muskeln des rechten Fußes wieder soweit gedehnt,daß letzterer zwar noch verkürzt, doch aber wieder sich in natürlicher Stellung fand.

Auf der Rückreise kehrte Gustav wieder im mütterlichen Hause zu Dresden(der Vater war 1811 ch) ein. Nach achttägigem Aufenthalte bei seinen Ver-wandten in Dresden reiste Gustav am 15. Februar zunächst nach Berlin undkehrte von da am t>. März zu seinem damals in Ostende stehenden Regiment?zurück und nahm Theil an allen Affaircn desselben.