Druckschrift 
Folge 6 (1887)
Entstehung
Seite
281
Einzelbild herunterladen
 

281

Armee nur 42 000 Mann stark sein sollte und die links der Elbe geborenenOffiziere entlassen werden mußten) sofort in der prcuß. Armee, und zwar mitgroßein Vortheile wieder angestellt. Sie hatten sich auf des Königs Befehl beidem General-Feldmarschall Grafen Kalckreuth in Königsberg zu melden, welchersie dein Könige auf der Parade unter der Hinwcisung vorführt, wie der Geist,der die ostpreußische Armee beseele, wesentlich von dein Großvater dieserjungen Leute (dem 1778 während der Camgagne des baycr. ErbfolgekriegcsP Kommandeur des Tilsiter Dragoner-Rcgts., Obersten I. Karl Fr. Frhrn. v. E.)gepflegt und genährt worden sei. Hierauf befiehlt sie der König in das königlicheSchloß iliid stellt sie der Königin und den übrigen Mitgliedern der KöniglichenFamilie mit den Worten vor:zwei junge Leute, die sich um Mein Haus ver-dient gemacht haben" und entläßt sie mit den huldreichen Worten:Konservircteuch in meinem Dienst, Ich werde ferner für euch sorgen".

Die näheren Umstände, auf welche sich des Königs Gnade gründete, er-hellen aus dem in der 1. Folge S. 47 f. abgedruckten Berichte.

Der unglückliche Ausgang der Schlacht bei Auerstedt mußte Gustav's Vater,der immer noch die seiner Familie in dem Blute liegende und von ihm selbstauf seine Söhne vererbte heiße Abhänglichkcit an die preußische Monarchielebendig in sich bewahrt hatte, selbstverständlich tief niederschlagen und mit bitterenGefühlen erfüllen. Als nun seine Söhne Moritz und Gustav eines Abendsin Dresden als ans Ehrenwort entlassene französische Gefangene sich einfinden,empfängt er sie mit den Worten:Können mir uns auch als ehrliche Leuteunter die Augen treten?!" und läßt sie so lange im Hotel logircn, bis er überihr untadelhaftes Verhalten in der Schlacht und nachher durch den Ncgiments-Kommandcur Major v. Ebra die zufriedenstellende Auskunft erhalten:daß sieim strengsten Sinne des Worts der Pflicht der Ehre und des Dienstes Genügegeleistet".

Nachdem also Gustav durch Königliche Huld wieder in der preußischenArmee Anstellung gefunden und sein Lieutcnants-Patcnt auf den 4. Febr. 180.1znrückdatirt worden war, wurde er dem 5. Infanterie-Regiment (4. Ostpr.) alsLieutenant überwiesen. Im I. 1809 stand Gustav mit seinem Reg. in Graudcnz.Grandenz und Kolberg waren die einzigen Festungen, welche sich hielten.

Bis zu dein Wiederausbruche des Krieges zwischen Frankreich und Rußlandstand Gustav längere Zeit auf Kommando in Königsberg und am Strande.Nachdem Napoleon Preußen zur Teilung von 20 000 Mann und Ostreich von30 000 Mann Hülfstruppen genöthigt hatte, überschritt derselbe im Juni 1812den Riemen. Die Preußen, welche sich unter Dork bei dem linken Flügelbefanden, rückten über Wehlau (20. Juni), Gnmbinncn (24. Juni), Schirwind(8. Juli), Tilsit (24. Aug.) und Memel (28. Aug.) zur Belagerung Rigas vor.Auf dem Marsche dahin gcrieth Gustav am 1. Nov. 1812 bei Telschc inrussische Gefangenschaft. Zuerst vom 0. Nov. bis 21. Dez. in Memel gefangengehalten, kommt er, schon auf dein Transporte nach Sibirien begriffen, nachPoln. Grottingen und anfangs Januar 1813 nach Mitau; wird aber von demKommandanten dieser Stadt, als derselbe Gustav's Familiennamen hört und sichvergewissert hat, daß Gustav der Enkel seines ehemaligen intimen Freundes, desTilsitcr Dragoner-Obersten I. Karl Fr. v. Ebcrstcin, ist, unter eigener Verant-wortlichkeit zurückbehalten in der Aussicht auf bald erfolgende Auswechselung.Während dieser Zeit zahlte er ihm sogar halben Sold und behandelte ihn alsseinen Gast, auch schenkte er ihm einen Bärenpclz, dessen Gustav sich noch überV4 Jahrhundert bediente. Nach erfolgter Auswechselung begab sich Gustav am29. Jan. (9. Febr.) über Memel, Königsberg, Graudcnz, Berlin nach Charlotten-