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Folge 6 (1887)
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sein Vater ihn die militärische Karriere aufgeben ließ. Und da eben der Sub-rektor an der Provinzialschule Namens Vogel veranlaßt worden war, seineDimission zu fordern, so brachte er seinen Vater dahin, diesen Mann ins Hauszu uehmen. Derselbe hielt ihm Vorlesungen in der Mathematik, Physik undChemie, wobei er bei seinem erwähnten Rektor die Latinität zc. forttrieb.

Zu Michaeli 1770 ging Wilhelm nach Königsberg zum akademischenUnterricht und sollte vom Oktober 1772 mit einem Führer, dem Kandidaten derRechtswissenschaft Martini, der aber leider selber einen Führer nöthig gehabthätte, die Universität Leipzig beziehen. Als Oberst Karl seinen SohnWilhelm von Königsberg auf die von Tilsit aus für damalige VerkehrsVerhältnisse fern gelegene Universität Leipzig gehen ließ, gab er demselben unterdem 8. Juli 1772 jene vortreffliche (in L. F. v. E. Geschichte S. 1189 ff.abgedruckte) Ermahnung mit, welche Karl Gutzkow in einem Briefe an Wilhclm'sEnkel Louis Ferdinand ck. ck. Kesselstadt 14. April 1868 in Parallele stelltzu Polonius Abschied von seinein Sohne Laärtes in Hamlet und zu einem welt-klug weisen, schönen Briefe des Grafen Eberhard v. Erbach an seilten SohltGeorg bei dessen Eintritt in die Welt im 16. Jahrhundert. Aber auch nochbis ill seilt letztes Lebensjahr wurde dieser allen seinen Nachkommen zum Vor-bilde dienende charaktervolle Mann nicht müde, seinem Sohne wahrhaft väter-liche Ermahnungen und Weisungen angcdcihen zu lassen.

Nachdem Wilhelm über zwei Jahre die Universität Leipzig besuchthatte, lag es ihm nah, über seinen künftigen Beruf cincu festen Plan zu ent-werfen und zu solchem die Billigung seines Vaters einzuholen. Auf seine An-frage über diesen Punkt schreibt ihm sein Vater unter dem 5. Mai 1775:

Ivas nun lsieruächst Dein künftiges Unterkommen betrifft, so Hobe ich darübermeine Uleinnng bereits gesagt. Soviel in meinen Kräften stehet, will ich gern zn DeinerUnterstützung hergeben ic., allein ich sehe anch, daß Geld dazn nöthig ist, wann manlööfe aufs Geradewohl bereisen will :c. Der Major p. Kracht kennet die läöse nichtund kümmert sich darum wenig:c., jedoch ist das auswärtige Fach platterdings vor keinenunvermögenden Mann ic. Im PK. Instizfach hat man Lrod bis an sein Ende desLebens, wann man nur erst einmal plaeirt ist, welches in etwas mehr als einem Jahrgewiß geschehen könnte, doch hast Du Deine Freiheit, ich will Dich zn nichts zwingen,nur wäge alles nach Deinen Umständen ab.

Wie aus in obigem Briefe enthaltenen Stellen hervorgeht, hegte Wilhelmden Wunsch, in die diplomatische Laufbahn eintreten zu können. Zu diesemZwecke uuternahm er, um sich einigermaßen zu orientieren, eine Reise nachMainz, Mannheim und Straßburg durch dasReich". In Mannheimließ er sich dem Kurfürsten Karl Theodor vorstellen und erlangte nach vielerMühe die Erlaubnis, seinen im Kloster Weinheim eingesperrt gehaltenen OheimKarl Christian v. E. besuchen zu dürfen (s. unten).

Als Wilhelm nun im Herbst 1775 die Universität Leipzig verließ, er-öffneten sich sehr günstige Aussichten für ihn zu einer bald zu erhoffenden An-stellung bei der sächsischen Regierung in Dresden. Hier hatte er die Gönner-schaft eines Kabinctsministcrs erlangt. Schon nach einem Jahre durfte er, ohnevorher das vorgeschriebene Auditoriat bei dem Ober- oder Hofgcrichte absolvirtzu haben, es wagen, bei dem Kurfürsten Friedrich August III. unter dem22. Nov. 1776 um Koufcriruug einer Asscssorstclle auf der adligen Seite derLandesregierung anzuhalten (l. Folge 43). Darauf (22. Febr. 1777) verfügteder Kurfürst, daß, wenn Wilhelm durch eine Probe-Relation bei der Landesrcgierung seine Fähigkeit hinlänglich bewähre, er unter Dispensation von dem