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Mein Mann grüßt Sie Alle recht herzlich. Er spricht noch oft davon, wieviel Freude es ihm gemacht alle seine Kinder bei sich gehabt zu haben, unddaß der Abend seines Lebens durch die allgemeine Liebe und Theilnahmeverschönert worden." Am 23. Jnni. „Herzlichen Dank für Ihren liebenBrief als redenden Beweis, wie Sie so ganz Liebe und Güte gegen unssind. Mit gerührtem Herzen habe ich es besonders in jenen für uns sobeglückenden Tagen gefühlt mich von der redlichen Gesinnung aller meinerguten Kinder immer mehr überzeugen zu können, und mich gefreut, daß diegeschwisterliche Liebe, die unter meinen Geschwistern obwaltete, auch ansmeine Kinder übergegangen ist, und daß auch die Frauen sich gegenseitig sofreundschaftlich zusammen vereinigten. So wird es auch fiir meinen Manneine beglückende Erinnerung bleiben vertranenvoll ans seine Kinder Hinblickenzu können und nicht mehr zweifeln zu dürfen, daß sie ihn wahrhaft liebenund achten, welches sie ihm jetzt so unverkennbar gezeigt haben." Am13. Juli. „Mir war so weh nms Herz ans dem Frendcntaumcl wiederin das einsame Leben zurückkehren zu müssen. Zwar bin ich wohl nichtganz einsam, so lange mein guter Mann mir noch zur Seite steht; alleinich wäre doch so gern dann und wann um meine Kinder. — Wenn Siean Ihren lieben August schreiben, so grüßen Sie ihn recht herzlich von mirund sagen ihm, daß es mir gar sehr leid gethan hat, daß er bei dem Festenicht hier sein können. Wäre es möglich gewest, so hätte ich sehr gern diegrößeren Enkel alle hier gehabt. Für August wäre immer noch Raumgewesen, und war er nicht so entfernt, so durste er ans keinen Fall fehlen."Am 9. August. „ Als Sie und mein lieber Sohn meines Geburtstages inIhren Briefen so liebevoll gedachten, so schwebte mir noch die Möglichkeitvor, daß ich ihn vielleicht nicht erleben könnte, da doch noch eine ganzeWoche dazwischen lag. Dennnoch bin ich ihm bis ans wenige Stundennahegerückt und erreiche ein Alter wie keine meiner Schwestern In meinenfrüheren Jahren dachte ich niit Schrecken an ein so hohes Alter und kannnur jetzt kaum die Möglichkeit denken, daß ich schon ans dieser Stufe steheund dennnoch eine gewisse Heiterkeit der Seele behalten habe, wenn nichtgerade zu drückende Verhältnisse obwalten und ich nur leidlich gesund bin.Dafür danke ich Gott und erwarte getrost die Stunde, wenn es seiner Weisheit gefallen wird diese irdischen Bande zu lösen. Mein Befinden ist jetztso, daß mich das Alter nicht zu schwer drückt. Wie sollte es auch sein, damir am Spätabcnde meines Lebens doch manche Freude zutheil wird. Ichsehe meine Söhne im Guten fortschreiten, die Lasten ihres Lebens durch gutesie liebende Gattinnen theilen und erleichtern, ihre Kinder, so weit sich jetztsehen läßt, das Gute wie sie wollen. Sollte ich mich denn nicht freuen?Und diese guten Söhne und Töchter sind mir, sind meinem Manne mittreuer Liebe ergeben; welches frohe Bewußtsein siir mich! welches gewißmeine letzten Stunden noch erhellen wird. Freilich wirds dennnoch oft trübein meiner Seele, wenn ich sie nicht ganz in der zufriedenen Lage weiß, wie