230 1770—1787.
Ehestandes in einer ununterbrochenen gegenseitigen Zufriedenheitund Uebereinstimmung. Nie weiß ich mich zu besinnen, daßUngeduld üble Laune oder Unglück, welches ihre Ehe oft heim-suchte, das geringste Mißvergnügen zwischen sie gebracht hätte." H- Die älteste im November 1770 geborne Tochter Ernestinekam als ein gesundes vielversprechendes Mädchen von elf Jahren zueiner Freundin der Eltern, Fran Bosseck, nach Halbem, die mitihrem vertrauten Freunde, später ihrem Gatten, dem Oberamt-mann Tunkel, einem Manne von seltenem Gehalt und Gaben,versprachen das Kind zu erziehen und ihm zweite Eltern zu sein.Sie erfüllten ihr Versprechen redlich, doch wurde die Tochter inder Folge theils durch ihren nicht ganz glücklichen Charaktertheils durch Widerwärtigkeiten unglücklich und der herznagendsteSchmerz ihres Vaters. Nach Aufgabe eines von den Ihrigengemißbilligten Verhältnisses zu einein Hauptmanne heirathete sieden Färbernieister Kluge, mit welchem sie siebzehn Jahr alt nachMarklissa in der Oberlausitz zog. Die jüngere am 9. Mai 1772geborne Tochter wurde auf den Wunsch des Großvaters Erd-muthe nach dessen Tod aber Sophie gerufen. Ihr folgte nachein paar Jahren ein Sohn. Die Mutter erkrankte im Wochen-bette so gefährlich, daß man an ihrer Wiedergenesung zweifelte.Zur selben Zeit verfiel der Vater in ein hitziges Fieber. DerKnabe starb. Die kleine Sophie Erdmuthe lag an Keuchhustenund Halsentzündung so schwer danieder, daß man den Augenblickihres Erstickens nahe glaubte und die Beerdigung des Brüderleinsmehrere Tage verschob um sie zugleich mit ihm zu begraben.Zwar half Gott ihnen wieder auf; doch behielt der Vater von daan eine Störung seiner Gesundheit; die jüngere Tochter war biszu ihrem fünfzehnten Jahre fast ununterbrochen den sonderbarstenund manchmal fürchterlichsten Zufällen ausgesetzt; die Groß-mutter litt immer heftiger an ihrer langwierigen und unheilbarenKrankheit; und der Großvater hatte in Folge einer übelbehan-delten Fußgeschwulst zwei Jahre lang ein äußerst schmerzhaftesund für ihn doppelt peinliches Krankenlager zu bestehen, während
1) Sophie Seydel an die Frau Pastorin Caroline Schlegel geborneLucius im November 1796.