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„In Radach lebe ich nun länger als sechszehn Jahre. Esgefällt mir an diesen: ziemlich angenehm an einer Chaussee liegen-den Orte. Ich habe eine im Ganzen gute Gemeinde; meineAmtsarbeiten erdrücken mich nicht, und ich finde erwünschte Zeitzum Privatstudium. Auch brauche ich über äußere Noth nichtzu klagen, um so weniger, da wir einfach leben, und meine Frau,obschon sie mir etwas Vermögen zugebracht hat, nicht liebt inSammet und Seide zu gehen. — Die Landwirthschaft macht mirviel Sorge, was sich in der jetzigen Zeit freilich belohnt. Glück-licher Weise ist meine Frau nicht blos eine Ataria, sondern aucheine Martha. Ich habe zwei Kirchen, eine hier und eine inKirschbaum. Predigen muß ich alle Sonn - und Festtage in jederKirche einmal. In: Sommerhalbjahre halte ich sonntäglich eineKatechisation mit den Confirinanden und den in den letzten dreiJahren Confirmirten. Consirmandenunterricht ertheile ich nur inden sechs Atonalen vom 1. October bis 31. März. Bibelstundenhalte ich während des Winters wöchentlich eine ini hiesigen Schul-zimmer. Dieselben sind der Gemeinde lieb und theuer gewordenund werden deshalb zahlreich besucht. Besonders freut es mich,daß auch die Armen und Elenden nicht fehlen, da ich zunächstfür sie das Brod des Lebens erbitte. Bei meiner Schulaufsichteben so bei den Lehrerconferenzen der Diöcese, die ich eine Reihevon Jahren hindurch bis vor Kurzem geleitet habe, ist mir immersehr zustatten gekommen, daß ich selbst als Lehrer im Staube derSchule gesessen habe."
„Meine liebe Mutter ist an: 3. Februar d. I. im beinahevollendeten sechsundsiebzigsten Jahre sanft und selig entschlafen.Vor drei Jahren sing sie an abzumagern, so daß sie zuletzt einemGerippe 'gleich oder vielmehr ein Jammerbild war. Sie hatseit meiner Anstellung bis zu ihrem Tode bei mir gewohnt. DerAugenblick, da ich sie sterben sah, war tief erschütternd für michund wird nur heilig bleiben in meinem ganzen Leben. Ichsegne ihr Andenken in kindlich dankbarem Herzen, und wenngleich meine Augen feucht von Thränen werden, indem ich dieseZeilen niederschreibe, so freue ich mich doch der Erlösung meinerHerzensmutter und bitte den Herrn, daß er einst in der seligen