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3 (1871) A: Die Familie Carl Kähler. B. Die Familie August Kähler bis 1819
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festtäglich beim Hauptgottesdienste die Liturgie halten, alle vier-zehn Tage mit dem Superintendenten den Communicanten dasheilige Abendmahl reichen, zwei schwierige Kirchenrechnnngen sich'ren, den Superintendenten, so oft er Visitationsreisen machte,fast allein vertreten, außerdem aber die Deutsche Ortsschule leitenund in jeder Woche zweiunddreißig Stunden öffentlichen Unterrichtertheilen. Da hätte ich im Anfange schier verzagen mögen. Ichklagte mich der Selbstüberschätzung an, daß ich in ein solches Amtgetreten war. Baldige Erlösung von diesen: gewaltigen Druckewar mein sehnlicher Wunsch. Aber Gottes Gedanken sind oftgenug nicht unsere Gedanken. Ich mußte aushalten; um so mehr,da die bisweilen mir angebotenen besseren Stellen meinen Wün-schen anch nicht entsprachen. Wenn ich nun nach langer Zeitzurückblicke auf mein Leben und Wirken in Muskau, so weiß ichwirklich nicht, wie ich den Herrn genugsam loben und preisensoll. Er hat dort meinen natürlichen Willen gebrochen, mich mancheselige Erfahrung machen lassen und insbesondere in Kirche undSchule mir viele Herzen zugewendet. Ich predigte dort in denersten Jahren vorherrschend die Sittenlehre des Christenthums,wie ich denn als ein Mensch, der den christlichen Glauben mehr imKopf als im Herzen hatte, auch nicht anders konnte. Allmählichkam ich durch besondere Fügungen des gnädigen Gottes durchtiefere Betrachtung des menschlichen Herzens und durch erweitertesStudium zu der Erkenntniß, daß der lebendige Christus, wie erjedem unter uns nahe ist mit seinein Geist und seinen Gnaden-gaben, von mir gepredigt werden müsse. Durch die ernsteBetrachtung des Lebens würdiger und begabter Seelsorger könnenalle die, die in Herzenseinfalt dem Herrn der Herrlichkeit dienenund im Glauben um das Kommen-seines Reiches bitten, einenunaussprechlichen Segen gewinnen. Aus Joh, Friedr. OberlinsLeben habe ich weit mehr gelernt als aus mancher Pastoraltheo-logie. Damals habe ich viel von Schleiermacher gelernt. H Seine

1) Und wie viel ältere und jüngere Zeitgenossen mit ihm! So schreibtClaus Harms in der Zueignung seiner fünfzehn Predigten über die Augs-burgische Konfession an August Neander: Schleiermachcr dank ich es inseinem Grabe, da er grünet, daß er mich von meinem früheren Unglaubenfrei gemacht hat, soviel nämlich Menschen in solchen Dingen thun