Siegel führten, heißen: Konrad der Große, das erste und zweite. Markgras Otto der )^eiche. Das vierte und fünfte: Heinrich der Er-lauchte. Dann: Markgras Friedrich der Freidige. Siebell: Graf Otto III. von Brehna. ^lcht: Graf Friedrich II. von Brehna. 2^enn:
Kurfürst Friedrich der Streitbare. Zehn: Herzog Moritz. Elf: Kurfürst Moritz. Zwölf: Kurfürst Ehristian I. Zweite Siegeltasel: KurfürstEhristian II.; Kurfürst Johann Georg I.; Kurfürst Zohann Georg II.; Kurfürst Johann Georg III.; Friedrich August I. (II.) König vonIdolen und Kurfürst; letztes Kurwappen; Kurfürst Friedrich August III.; König Albert; Vereinigtes Kursächsisches und polnisches Mappen.
Aber wie später die Portraits einen tiefeil Einblick in die Sitten der Zeit und damit in deren innerstes Fühlen und Wünjchen erschließenhalfen, so find für jene frühesteil Tage zwei Kunstäußerungen des Menschen vor Allein bezeichnend: die Baukunst und die mit ihr innigverwachseile oder vielmehr in ihrem Dienst stehende Skulptur. All Domen, wie das westliche Deutschland sie baute, hatte dieser kämpsereicheBoden allerdings keinen Platz. Dort durste man sich alterworbenen Besitzes freuen und seine kühnsten Phantasien himmelhoch austhürmen,während hier das Schwert kaum aus der Hand gekommen war. So mußte naturgemäß mehr der Sinn für robuste Kraft als für einebei aller genialen Massigkeit der Formen abgeklärte um nicht zu sageil selig-heitere Kunst, in welcher sich Kraft mit zierlicher Sitte verband,lebeil. Aber wo sich wesentlich nur Kraft bethätigt, da ist in der Kunst das Nützlicbkeitsprincip ohne weiteres Dogma. Auch hier bauteman Dome, ganz wie es der noch zähere, weil länger sich im Kampfe mühende Bordosteil that. Aber selbst in scheinbaren Einzelheitenwelche Gegeilsätze zu dem Westen! Mail sehe die Löwenköpse aus der Erzthür am Dome des dein Westen doch ein gutes Stück entgegen-kommenden Hildesheim und man vergleiche sie mit denen des Aachener Münsters! Hier ist alles richtig, sein, um nicht zu sageil zart.
Da aber spricht bloß das Bild der Kraft und gerade darum bei aller Schwäche der Zeichnung: ein Löwe. Und der Nordosten undfernste Osten baute, weil er baueil mußte und mit dem edlen Sandsteinmaterial nicht bauen konnte, weil er keins hatte: mit gebranntenZiegeln. Welch ein Beiz, welch herrliches Vergnügen müßte in den beständigen, sicher dlwchgesührten Vergleichen unserer frühesten säch-sischeil und der ihnen benachbarten Kunstbethätigungen mit denen des Westens liegeil! Aber dazu fehlt es hier nun freilich an Baumund Geleaenheit, weil auch die spätereil, aber nicht immer schöneren und erhabeneren Zeiten ihr Wort verlangen. Dabei ließeil sich zudemverwandte und heute geistig eine Einheit bildende Landstriche nicht trennen. Merseburg, Magdeburg, Naumburg, ja Bremen und Lübeck,um nur diese zu nennen, würdeil bei solchem Betrachteil besondere Erwähnung erheischen. Namentlich auch käme, abgesehen voll demganz merkwürdig frühem aber zu selbständigster kunstweise leitenden Einfluß, den der aus dem nordöstlichen Frankreich gekommene gothischeStil weit über deutsche Gaue fort aus den Magdeburger Dombau übte, die Bauweise der in diesen Gegenden sich immer mehr ausbrei-tenden Eisterzienser, denen Otto der Reiche das Kloster Altzella schuf, in nähere Betrachtung. Diese fand hier die ihr willkommene ein-fältige Kraft, obschon in den sächsischen Landen schnell genug — und sicher in Folge der wachsenden Wohlfahrt — sich eine immer innigereFreude am Schönen kundgab. Die Grabsteine der damaligen Zeit geben zur Kenntniß dieser Entwickelung genügsame Gelegenheit undaus unsern Abbildungen dieser frühen Zeugeil sächsischen Kunstsleißes geht ja dieselbe genugsam hervor. Mit der Zeit macht sich eineimmer durchdringendere und sicherere Naturanschauung geltend und es ist nicht der geringste Ruhmestitel unserer sächsischen Lande, daß dieursprünglich in Westfalen sicher geübte, dann namentlich in Bamberg hinsichtlich der portraittreue vollendete Steinskulptur in ihnen ihregroßartigsten Blüthen trieb. Die „Goldelle Pforte" des Doms zu Freiberg, welcher ohnehin den spätromanischen Stil in entzückendsterVollendung zeigt, bedeutet den Triumph der sächsischeil Bildhauerkunst. Hier strahlt alles voll dem Blattwerk der Kapitäle und Gesimseangefangen in hochragender Schönheit, die sich kraftvoller Grazie vermählte. Kunsthistorisch ist die „Goldene Pforte" — wegen der reichenVerwendung des Goldes in ihrer ursprünglichen Bemalung so genannt — auch deshalb voll weittragendster Bedeutung, weil sie zugleichlllit den Einflüssen fremder Kunstweise deren genial-selbständige Verwendung und Beherrschung in sich trägt und schon in damaliger Zeitdie bis zur Jetztzeit sich treugebliebene deutsche Begabung, Fremdes aus sich wirkell zu lassen um größeres Eigenes zu schassen, beweist.
Zil ähnlicher und zuweilen noch vollendeterer Kunst bewährte sich dieser Schöpsergeist jener Zeit in den den Naumburger Dom zierendenBildwerkeil, unter denen die Kreuzigungsgruppe, die Darstellung des letzteil Abendmahls und Anderes wohl das Bedeutsamste sind, wasjene Zeit überhaupt schuf. Aber auch die Schloßkirche zu Wechselburg trägt Bildwerke, die all Natürlichkeit der Darstellung unsermheutigen Kunstideal nahekommen. So ist die Maria der Kreuzigungsgruppe ein Bildwerk, das die Verklärung menschlichen Leids zugöttlichem verkörpert und erschütternd und reinigend zugleich wirkt: ganz wie ein hohes Lied dichterischer Kunst. Bei der WechselburaerKreuzigungsgruppe ist zudem die in damaliger Zeit allgemein üblich gewesene Bemalung erhalten und aus ihr steigert sich nicht weniadie Wirkung und aus ihr löst sich zugleich die Überzeugung, daß der Bildhauer unbedingt mit der Farbe und aus die Wirkima der Farberechnete. Ein besonderes Wort wäre wohl noch über die Behandlung der Gewänder und deren immer fortschreitendere Behandlung zusagen. Aber wir müssen uns hier bescheiden und dem innigen Betrachteil unserer Bilder mag es überlassen sein, selbstschauend den Kunst-geist jener Zeit zu suchen und zu begreifen. Ich erwähne hier nur noch, denn es wird Gelegenheit geben, aus diese Tafeln mehrfachzurückzuweiseil, daß das Grabmal des Wiprecht von Groitzsch das älteste der in Sachsen noch vorhandenen alten Kunstdenkmäler istund die Begräbnißstätten des von Otto dem Reichen gegründeten Klosters Alt-Zella der Zeitsolge nach sich an diejenigen Kollrads aufdem Petersberge anschließen. Ganz naturgemäß erscheint es, daß aus solche Bethätigung künstlerischer Begabung die edle Kunst desMinnesangs, welche die Wartburg für alle Zeit mit wundersamer Poesie umsloß, auch in dem eigentlichen Meißeller Lande unter Hei,wichdein Erlauchteil und in diesem selbst einen Minnesinger fand, der zudem seinen Platz in der großen Manesse'schen Liedersammlung fand.
Belehnung Friedrichs des Streitbaren mit der Kur im Jahre H23. (Tafel (I). j
Älteste Aarte des Landes Meisten (Tafel W Der prinzenraub (Tafel (I). Alte Ansichten derStadt Meißen (Tafel (6). Alte Ansieliten der Stadt Freiberg (Tafel (7). Älteste Ansicht des
Dresdener Aesidenzschlosses (Tafel (8). !venu unter Heinrich dem Erlmiehteu sich zu der schönen Lntfultung der Kunstauch reiches staatliches, durch neuen Länderzuwachs zudem erweitertes Leben gesellte, das um so freier und stolzer sich erheben konnte, als
12