Angstvolle Anonymität. Pläne für Zerstörung der Burg.
Gott, der allerhöchste Wohlthäter, der grosse Beschüzzer des ge-segneten Frankfurts, für dessen gnädige Erhaltung in diesen gefahrvollenZeiten die ganze Nachbarschaft zum Himmel geseufzet, vergelte auchdiese Liebesgaben, welche zu einem so heilsamen Endzwek sollen an-gewendet werden. Johann Ludwig Christ,Kronberg d. 28. Oct. 1795.
Erster Pfarrer.
Balthasar Bleichenbach,
Zweiter Pfarrer.
Charakteristisch für die damalige verängstete Zeit erscheint: dassfast niemand frei heraus mit Namen zeichnete, sondern nur verschleiert:„Ein Freund," „Von einem Freunde."
1798. Die französischen Truppen hielten im Schlosse ihre Fecht-schule und richteten ihre Gefängnisse ein. Die Fenster sind zerschlagen,des Holzwerkes ist viel gestohlen. Antrag: die Gebäude abzubrechenund das Material zu verkaufen. Bei noch längerer Truppenanwesenheitwerde es doch nach und nach entwendet werden.
1798. Der kurmainzische Landbaumeister berichtet nach Aschaffen-burg: das Schloss habe er durch die verschiedenen Ereignisse währenddiesem Krieg so beschädigt gefunden, dass es eine beträchtlich Re-paratur erfordert. Er beantragt: entweder Verkauf des Ganzen, undvom Erlöse eine neue katholische Schule zu bauen, oder: Abbruch deseinen baufälligsten (westlichen) Flügels. Die Regierung fürchtete jedoch„Militair-Angriff des abgetragenen Gehölzes," und lehnt ab.
1805. Es gebrach, bis auf die zwei Schulstuben, dem ganzenSchlossgebäude an Thüren, Fenstern und Oefen.
1806. Das Schloss sollte verkauft werden. Die neue NassauischeRheinbunds-Regierung lehnte zuerst die Unterhaltung der katholischenSchule im Schlosse ab; sie erkannte jedoch später die veraltete ihrwiderwärtige Verpflichtung mit saurer Miene an. Der Verkauf wurdedamals ausgesetzt; man rechnete dass in ruhigen Zeiten ein reicherParticulier aus Frankfurt den alten Kasten kaufen werde.
Abermals also wurde die alte Burg durch die ihr innewohnendekatholische Schule gerettet. Diese Konfessionsverwandten hatten in-zwischen, wie es scheint, sich vermehrt. Sie strebten nach einemgrösseren Gotteshause und baten: 1807 man solle nicht - wie in derAbsicht lag aus der unfertigen katholischen Kirche, deren Umbau