Religiöser Streit.
keit brachte ihnen, nach mehr als einem halben Jahrhundert desKämpfens und Leidens, auf diesem Felde den wohlverdienten Sieg. Derpapierne Krieg ist von beiden Seiten auf hunderten gedruckter Folio-blätter geführt. Es kann daher hier nur eine sehr flüchtige Uebersichtseines Verlaufes mitgeteilt werden.
Kronberg war allmälig mit katholischen Beamten besetzt; dieseerleichterten ihren Glaubensgenossen den Bürgergewinn und erschwertenihn den Haeretikern. Dadurch wurde dem katholischen Burgkaplandie Hauskapelle auf der Burg zu eng; er strebte naturgemäss nach Aus-dehnung, im Gotteshause wie in den Seelen der Einwohner. Siehielten Prozessionen mit Kanonendonner und errichteten wieder in denFeldern die Kreuz- und Heiligenstöcke. Der lutherische Pfarrer Hilde-brandt beschwerte sich über diese Verletzung des WestphälischenFriedens; er wurde abgesetzt. — So schleppte man sich manches Jahrhin; mit allerlei kleinlichem Gezänk, das aber den damals sehr glaubens-eifrigen Kronbergern schwer zu Herzen ging. Nach und nach sandtensie fünf Petitionen, verfasst von frankfurter Notaren, an den ungnädigenLandesherrn in Mainz: „Es sei ihnen streng verboten, die vier evan-gelischen Kernlieder: „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält" — „Ein'feste Burg" — „Erhalt uns Herr bei deinem Wort" — „O Herr Gottdein göttlich Wort" in der Kirche zu singen. — Liest man indessenbeispielsweise den Text des zweiten Liedes weiter nach:
Erhalt uns Herr bei deinem WortUnd steur des Pabst und Türken Mord,
Die Jesum Christum deinen SohnWollen stürtzen von seinem Thron.
Ihr Anschlag Herr, zu nichte machLass sie treffen die böse SachUnd stürtz sie in die Grub hineinDie sie machen den Dienern dein. — —
so kann man allerdings schwer behaupten, dass diese Bitten und Be-fürchtungen sich mit der, dem katholischen Landesherrn schuldigenErfurcht, zumal nach dessen geistlicher Seite hin, deckten.
Dann gab es Klagen über stiftungswidrige Verwaltung des Hospitals(Armenhauses), sowie des Präsenzfonds; über die jetzt katholischenTurm- und Thorwächter, die seit alten Zeiten die evangelische Kirchen-