Druckschrift 
Die von Kronberg und ihr Herrensitz : des Geschlechtes Ursprung, Blüte, Ausgang ; der Burg Gründung, Ausbau, Niedergang, Zerfall, Wiederherstellung ; eine kulturgeschichtliche Erzählung aus elf Jahrhunderten 770 bis 1898
Seite
415
Einzelbild herunterladen
 

Das Epitaphium wieder am rechten Ort.

415

So stand dasselbe viele Jahre lang unbeachtet, der Witterungund andern Unbilden preisgegeben (wodurch die Vergoldung ver-schwunden), bis es nach dem Tod der verwittweten Königinn in dasneu errichtete Kunstgebäude zu Stuttgart versezt wurde."

Allein auch hier stand es wieder »nicht am rechten Ort;« derStadtrath dahier erneuerte daher seine Bitte in Eingaben an das Mini-sterium und an Seine Majestät den König unmittelbar, worauf endlich . . .die Abgabe ... an die Stadtgemeinde Mergentheim verfügt ward;1853 am 9. August traf es hier ein."

Nun entspann sich ein Streit zwischen dem Stadtrath und derevangelischen Kirchengemeinde über die Aufstellung des Denkmals,weil . . .der Stadtrath . . ., in Rücksicht der inzwischen zur evan-gelischen Kirche umgewandelten Schlosskirch, diesen um die Erhaltungdes katholischen Glaubens so hochverdienten Regenten nicht in eineevangelische Kirche bringen zu lassen glaubte, und die schöne Gelegen-heit ergriff, solches Kunstwerk in die wieder hergestellte ehemaligeDominikaner-, jetzt Marienkirche, aufstellen zu lassen, und troz vielenWiderspruchs darauf beharrte."

Hierauf ward das . . . schöne Epitaphium . . . neben dem, vondem Fürsten von Hohenloh im Jahre 1855 gestifteten, prachtvollengothischen Hochaltar, linker Hand an der Wand aufgestellt . . . undbildet den grössten Kunst schätz, den die Stadt Mergentheim besitzt."

Walter von Kronberg war jedenfalls ein echter ganzer Mann vongrossartiger Ueberzeugungstreue. Davon zeugt, in schwankender ver-hängnisvoller Zeit, sein unerschütterlicher Kampf für eine verloreneSache. In ihm lebte der unwandelbare Heldensinn: kein Gegner istzu stark um ihm nicht mit Manneskraft zu begegnen wenn man fürdas bestehende Recht kämpft. So tritt Walter, innerhalb des Ordenseingerissener Unsitte und drohendem Verfalle entgegen, ebenso denäusseren feindlichen Mächten, die den wankenden Orden vollends niederzu reissen trachteten.Recht muss doch Recht bleiben. Unrechtkann niemals Recht werden." Dieser starre Glaubenssatz des hoch-achtbaren aber unfruchtbaren Legitimismus war Walters Leitstern.Dabei wurde er weniger von wirksamem Eifer für die katholische