394 Niedergang des Ordensstaates in Preussen. Ordensbesitz in Deutschland.
Die ordentlichen jährlichen Einkünfte von den 1200 Geviertmeilen,55 ummauerten Städten und mehr als 20,000 Dörfern betrugen über800,000 Rheinische Gulden.
Innerlich jedoch war dieser Ordenstaat seinen ursprünglichenZwecken und Pflichten bereits entfremdet; dadurch war er morschgeworden. Er brach 1410, in der Schlacht bei Tannenberg gegenPolen, jählings zusammen.
Nach längeren Schwankungen wurde 1436 der „Ewige Friedenzu Breschke" (Brest) geschlossen. Zwanzig Jahre darauf hatte derhinsterbende Orden den letzten Kampf gegen den Erbfeind Polen unddie mit ihm verbündeten aufrührerischen Ordensstädte sammt demlandsässigen Adel, auszufechten. Er unterlag; im Frieden von Thornmusste er Westpreussen abtreten, Ostpreussen als polnisches Lehenempfangen und dem Könige von Polen als des Ordens Schirmherrnden Treueid leisten.
Im Jahre 1498 ward der Herzog Friedrich von Sachsen als Hoch-meister „postulirt und inthronisirt." Er verweigerte den Huldigungseidmehrere Jahre lang. Hiezu wurde er von Kaiser und Papst ermutigt,da die Ordenslande „Lehne des Reiches und diesem zu Unrecht durchden Frieden von Thorn entzogen" seien. Herzog Friedrich lebte inSachsen und starb zu Meissen 1510.
Sein Nachfolger wurde 1511 der junge, 1490 geborene MarkgrafAlbrecht von Brandenburg, Sohn des Markgrafen Friedrich von Ansbach-Baireuth und der Sophie von Polen, einer Tochter König Kasimirs undSchwester König Sigismunds; zugleich war Albrecht Vetter des Kur-fürsten Joachim I von Brandenburg und des Kardinals Albrecht, Kur-fürsten von Mainz.
Im Gegensatze zu dem territorial geschlossenen Ordenslandewaren die deutschherrlichen Besitzungen innerhalb des Reiches unendlichzersplittert und von fremden Landesherrlichkeiten umklammert, so dassein kompakter ritterlich-priesterlicher Staat sich nicht hatte bilden können.Von Meissen bis Burgund und Elsass, von Niedersachsen bis zur Etschlagen die Güter verzeddelt umher. Man schlug sie an: auf 40 Quadrat-meilen mit etwa 88,000 Einwohnern. Jedes „Haus" stand unter Ver-waltung eines Komturs, nebst ihm untergeordnetem Hauskomtur; ferner:Trappier (für das Mobiliar), Tressler (Schatzmeister), Ueberreiter (Güter-