XI. Das Familienbild. Das Ziel der Pilgerfahrt.
U Neujahr 1549 wurde dem würdigen Ehepaare auf BurgKronberg eine Freude bereitet, an der auch wir noch Teilhaben. Mutter Anna erhielt als Angebinde von ihrem zweitenSohne Hartmut XIII und dessen Frau Barbara Sickingen das damalshergestellte Familienbild, das durch ungewöhnlich glückliche Um-stände in seltener Farbenfrische und guter Erhaltung auf unsereTage gekommen ist. Die älteste Nachricht über dieses bemerkenswerteKunstwerk stammt erst aus dem Anfange dieses Jahrhunderts. In dem„Handbuch für Reisende am Rhein, von dem Grossherzoglich Bad.Hofrath u. Historiograph Aloys Schneider" (1812/13) heisst es S. 141,in Rüdesheim: „Das Brömsersche Stammhaus, der Familie von Couden-hoven gehörig, liegt oben im Flecken." Die sogenannte Vorderburgliegt nächst dem Markte mitten im Flecken. Hier sass von altersherein „de domo" genanntes Geschlecht der Ritter von Rüdesheim; vondiesen fiel es an die Brömser. „In einem alten gothischen Vorsaalesieht man einen Tisch mit Bildnissen aus der Familie Cronberg undder Aufschrift:" (Diese folgt später genauer.)
Kurz darauf betrat Goethe, auf seiner Herbstreise am Rhein, am1. September 1814, das Brömserhaus in Rüdesheim. In dessen Mittelhofeam Brunnen konnte er das Alianzwappen Brömser-Kronberg (Flügel) be-trachten (Abschnitt VII). Seine Erinnerung an „Im Rheingau Herbsttage"berichtet: „Hierauf besuchten wir in Rüdesheim das Brömsersche Ge-bäude, welches zwar merkwürdige aber unerfreuliche Reste aus demXVI. Jahrhundert enthält. (Goethe schätzte bekanntlich Renaissanceund Barock gering). Nur ist ein Familiengemälde der Herren vonKronenburg, von 1549, in seiner Art besonders gut und der Aufmerk-samkeit aller Freunde des Alterthums und der Kunst würdig."