290 Tag der Ritterschaft in Landau (August). Aufbruch gegen Trier (September).
auff die Rottmeister dringen." Er beauftragt am 1. Mai 1522 Hartmut,der am 14. April auf der Ebernburg gewesen war: „ob du etwo bei et-lichen der geheymen und vertrauten zu Frankfurt (Anhänger der neuenLehre: Hamann von Holzhausen, Johann Frosch u. a.) erfahrung habenmogehst, ob beim Rath daselbst ein gülden iim (2000) oder iiitau-send zu bekommen weren, mit antzeigge, das mir key. Maj. geliehengelts XX m und der Besoldung halb XI tausend Guldin schuldig wern. .
Nachdem die Stimmung am Oberrhein und in der Wetterau,im Kraich- und Rheingau ausreichend bearbeitet war „und nachdemallerhandt clagens unnder der ritterschaft, das ein jeglicher von seimnegsten nachtbauern (nachbarn), so gewaltiger dann er, betranngt, istFranntz aus bith bewegt worden: etliche von der ritterschaft gehn Fandauzu beschreiben. . . Also seindt viel von der ritterschaft erschien ; vonwegen und mass, wie einer beim anndern bleiben khönndte, geredt;auch haubtleute geordnet und abscheidt (Abteilungen) gemacht." Eskam „eine brüderliche Vereinigung der Ritterschaft" zustande, dersechshundert Edelleute beigetreten sein sollen. Franz wurde als Haupt-mann des Bundes erwählt. In seiner Ansprache drängte er zur „Her-stellung der alten Freiheit des Adels gegen die habsüchtig Tyrannenund die immer grösser werdende wütherei der Pfaffen." Hartmut gehörtedort zu den eifrigsten Förderern. Ueber sein Ansehen um diese Zeitunter seinen Genossen schreibt Hutten: „Hartmut der allein sovielwert sein wird als unzähliges Kriegsvolk."
Aber was im August zu Landau so breit angelegt und so warmbeschlossen war, das blieb dennoch eine verhängnisvolle Selbst-täuschung; es fehlte der fruchtbare Fortgang. Der niedere Adel warnicht mehr fähig zu korporativer, lebensfähiger Organisation : zerplitterterBesitz, Armut, Unwissenheit und Hochmut verblendeten die Ritterschaftüber ihre Stellung, Kraft und Bedeutung. Zudem standen viele ihrerbesten Männer in fürstlichem Dienste. Als es dann baldigst zumSchiessen kam, fehlte den Reichsrittern das Pulver. Von Landau aus zogSickingen im September, ohne jeden scheinbaren Rechtstitel, gegen denKurfürsten von Trier. Seine Gründe für diesen höchst gewagten Angriffsind vielfach umstritten worden.
Zunächst lag der Bewegung der Reichsritterschaft, deren ge-sammte Kraft Sickingen hinter sich zu haben glaubte, damals keinerlei