Kleiderluxus der Ritterfrauen. Kaiserwahl. Hartmuts Rotte steht bei Höchst. 287
Schon bei den Turnieren hatten einzelne reichbegüterte Damen durchihren Prunk die übrigen bedrückt. Diese stürzten sich dann vielfachin Schulden und brachten ihre Fa-milien ins Elend. Murner sagt da-von in seiner „Narrenbeschwörung":
„Der adel ist nit aller rieh,
Noch went (wähnet): sie sin einander glichWas ein von dem andern sieht,
Das will der selb ouch manglen nicht.
Darum versetzt er zins und gült,
Das er nun sin muot erfüllt,
Und vier und zwanzig hundert (124) güldenNun um ein danzrock mache schulden."
Deshalb hielten sich viele vernünf-tige Frauen mit ihren Töchtern fern,um nicht in ihren einfachen Kleidernnachzustehen.
Der schweinfurter Beschluss willdiese heranziehen: Und ob „ausz dengemelten Frawen und Junckfrawen et-lich mit solcher Kleydung nit, als n a <= h h AN ?'H°i-ߣiNköstlich an Sammet, versorgt weren, Köstlicher Danzrock.
die sollen dannnocht nach irem standt zuon Eren gezogen werden."
Die Kleiderordnung gestattete nur: 2 Samtröcke, zu 100 und zu80 Gulden; 1 Ehrenschaube: 100 Gulden; 2 seidene, jede zu 50 Gulden;Ketten und Ringe: 100 Gulden. — Ob das Statut wohl abgeholfen hat??
Während der langen Wahlzeit standen Franzens Truppen unterGeorg von Frundsberg bei Mainz. Das Ffauptquartier der habsburgischenRäte und Wahlagenten war in Höchst am Main. Sickingen deckte esmit starker Reiterei, bei der sein streng patriotisch und kaiserlich ge-sinnter Rittmeister Hartmut nicht fehlte. Die Wahl ward heftig be-stritten. Ein Teil der Kurfürsten verspürte, nach päpstlicher Vorschrift,Neigung: sich für den Franzosen gewinnen zu lassen; darunter derPfalzgraf Ludwig V, ein schwankender bestimmbarer Mann. Indessener empfing zeitig vom deutsch-spanischen Kandidaten 120,000 Gulden„Ersatz für Schaden im Pfälzer Kriege." Das belebte seinen Patriotis-mus. Richard von Trier hatte andrerseits eine starke „Handsalbe" aus