286 Hartmut und Ulrich von Hutten. Kaiser Max -f 15. Januar 1519.
öffnen, werde er sich bei „seinen Gesellen von den Halbhosen mit denlangen Spiessen," (den Landsknechten), beklagen. Das half. HartmutKronberg zog mit 300 Pferden ein und nächtigte in der Stadt.
Von dieser „reysigen" Truppe heisst es übrigens nicht sehr löb-lich: „Die Verbündeten begingen Vexationen aller Art. BesonderenSchaden richtete Sickingens adlige Reiterschaar um Wildbad an. Im„Weinlager" ging es überlustig zu. Die Franken lagerten in den Kornfeldernund verdarben alles was sie nicht verzehren konnten. Sie hielten Tänzeund Bankotereyen, trieben auch mit Frauen und Jungfrauen grossenMuttwillen."
In dem kurzen Feldzuge schloss Hartmut nähere Bekanntschaft mitUlrich von Hutten. Dieser war eine der Haupttriebfedern des Straf-gerichtes über Herzog Ulrich gewesen, als Rächer seines Vetters Hansvon Hutten, den der Herzog eigenhändig umgebracht hatte. Auf denjüngeren Kronberg übte der ältere geistvolle Genosse eine gewaltigeWirkung; er weckte bei ihm Keime, die bisher in dem frischen Reiters-manne geschlummert hatten. Von jenen Tagen an begann HartmutsDenken Handeln und Leiden sich nach den berühmten Versen desleidenschaftlichen deutschen Patrioten zu gestalten:
„Von Wahrheit will ich nimmer lanDas soll mir bitten ab kein Mann.
Auch schafft zu stillen mich, kein Wehr,Kein Bann, kein Acht; wie fest und sehrMan mich damit zu schrecken meint.Wiewohl mein fromme Mutter weint
Do ich die Sach hätt g'fangen an —
Gott wöll sie trösten; es muss gahn.Und sollt' es brechen auch vor'm End,Wills Gott so mags nit werden g'wendt.Drum will ich brauchen Füss und Händ."Ich habs gewagt!
Der alte „letzte Ritter" war am 15. Januar 1519 zu Wels a. d. Donauentschlafen.
Die halbe damalige Welt fragte: wer wird Kaiser werden? Sickingenarbeitete für den jungen spanischen Karl. Der König Franz I hattedem berühmten Kriegshelden 30,000 Kronenthaler und eine lebensläng-liche Rente von 8000 „feineren Sonnenkronen" geboten, wenn er auffranzösische Seite trete. Sickingen lehnte ab, kurz und barsch. AmMontage, 11. April, tagte die „gemeyne Ritterschaft" zu Schweinfurt.Hartmut war anwesend. Es wurden vertrauliche Verhandlungen wegender Kaiserwahl gepflogen. Gleichzeitig fassten die verständigen Haus-herren einschränkende Schlüsse über die Kleideransprüche ihrer Frauen.