284 Der Landgraf flieht vor den Kronbergen. Frankfurt wird gezüchtigt.
sass rat- und hülflos in Giessen. Dort bedrohete ihn vom Taunus herdas Anrücken Kaspars und Hartmuts von Kronberg; man flüchtete denvierzehnjährigen Landesherrn auf die Festung Spangenberg. In höchsterWehrlosigkeit musste er seinen Dienern unbeschränkte Vollmacht er-teilen: den Frieden aufzurichten wie sie mochten. Der Kaiser tagtezu Augsburg mit den Reichsfürsten. Auf kräftiges Andringen des Erz-bischofs von Trier, Richard von Greiffenclau, machten sie dem Ober-haupte ernste Vorstellungen gegen den frechen Landfriedensbrecher.Max war damals ungnädig gegen Hessen gestimmt, weil es zum un-ruhigen Herzoge Ulrich von Würtemberg hielt. Er versicherte wohl-wollend: er habe bereits „eilennds bevolhen Franntzen zu schreiben."Diesem wurde abermals die Acht angedroht. Als er den Brief erhieltwar seine Sache längst gewonnen. Am 23. September wurde derFriedensvertrag unterzeichnet. Uns berührt daraus hier nur: die Kron-berge erhielten Wasserbiblis zurück, dazu die Streugüter in Wolfskeelen.
Das Land Hessen war schwer geschädigt; der ungewöhnlich früh-reife und hochstrebende junge Landgraf fühlte sich, beim Eintritte inseine fürstliche Laufbahn, namentlich auch durch seine Flucht vor denkleinen Kronbergen, tief gedemütigt. In ihm blieb ein heisser bittererGroll gegen die frechen Reichsritter zurück, der eine der stärkstenTriebfedern seiner Politik während der nächsten zwei Jahrzehnte wurde.Bald sollte dieser rasche Erfolg dauernd verderblich auf den Siegerund seine vornehmlichsten Helfer zurückschlagen.
Gleichzeitig verwertete Sickingen seine starke Stellung am Main,um die Stadt Frankfurt wegen ihrer Hülfeleistung an Worms empfind-lich zu züchtigen. Den vorgeschobenen Beschwerdepunkt bildeten „etlichgewere." Franz hatte sie einem Zuckerbäcker zu Kreuznach in Ver-wahrung gelassen, dieser sie dann an zwei frankfurter Juden, Heyumund Meyer, heimlich versetzt. Ausserdem hatte Sickingen es übel ver-merkt: dass damals der Stadt Söldner einen seiner Reiter, der in ihreHände fiel, ohne Prozess um einen Kopf gekürzt hatten. Er forderteeine Entschädigung von 10,000 Gulden, da er „mit merklichen Kosten30,000 Mann habe werben müssen um zu dem Seinen zu kommen."Als Einleitung des Verfahrens entführte er während der frankfurterHerbstmesse sieben hoch beladene Frachtwagen vor dem Galgenthore(Gallusthor). Die Stadt war auf ernsten Kampf nicht gerüstet. Zwar