Rüstung des Landfriedens* Hartmuts Hellerbrödchen und neue Handbüchse. 145
kein ander Schloss oder Festung bauen, oder jemand wieder zu bauengestatten." . . Jeder will „sin Berfryt (eine hohe Belagerungsmaschinemit Stockwerken) mit ym" haben und kommen „mit lutden (Leuten),Bussen, Blyden (Wurfmaschinen), Geschutzwerke und anderes Gezug,als sich darczu heischet und nogt ist." Den zwei Kurfürsten geselltensich zu: die Erzbischöfe von Trier, Köln und der Bischof von Speyer,der Herzog Leopold von Oesterreich, Graf Eberhard von Würtembergund Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken, „Landfoit dez Landfriedensam Ryne."
Frankfurt wurde ermahnt: „auf ihre Kosten ihre Diener sammtdenen von Friedberg und Gelnhausen ausrücken zu lassen und siespätestens in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli in Oppenheim zu stellen,damit am Dienstag 8. Juli alle nach Tannenberg ziehen." Die Stadtbeteiligte sich durch „30 Mann mit Gleven," sowie durch 53 und einenhalben (?) wohlgewappneten Schützen; ausserdem aber machten sieihre grosse Steinbüchse mobil. Die Stadt Mainz stellte 2 grosse Stein-büchsen; Worms und Speier ihre 2 grössten Bliden. Jedoch zeigteFrankfurt, mit vorsichtiger Rücksicht, die Rüstung bei Zeiten seinemmächtigen Verbündeten Johann III von Kronberg an und verwahrte sichgegen alle etwaigen Ansprüche aus dieser Feindseligkeit gegen seinenSohn und seine Burg. Schon am 27. Juni schlug der allzeit fertigePfalzgraf Ruprecht sein Lager am Fusse des Tannenbergs auf; am 28.sandte er den Fehdebrief in die Burg, am 29. brachte er seine grosseBüchse hinauf, am 30. Juni wurde der Berfryt aufgeschlagen, am 1. Julider erste Sturm versucht jedoch abgewiesen. Hartmut IX entsprachseinem Taufnamen. Am 2. Juli langten der Erzbischof von Mainz unddie kleinere frankfurter Büchse an. Man kam überein : dass der Pfalz-graf und die frankfurter Geschütze von der einen Seite, die mainzerund der Erzbischof von der anderen die Burg angreifen sollten. DerPfalzgraf drang bis an den Graben des Schlosses vor und verschanztesich dort. Die Belagerten beschossen ihn mit kleinen Bleikugeln undmit Steinen von der Grösse eines „Hellerbrödchens." Dieses Volumenwar damals augenscheinlich erheblich gefährdender als heutzutage.
Hartmut IX führte bereits die neuen, seit 1388 auftretenden Hand-büchsen ; eine solche wurde zu unserer Zeit im Schutte der Zisterneauf Tannenberg gefunden. Sie zeigt die verkleinerte Form der damaligen
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