Lief. 4. CXXXII.
Turniere und Turniergesellschaften.
Der Kolbenkampf (132). Der Kampf mit stumpfen Schwertern (133).
Turniere und Turniergesellschaften standen im 15* Jahrhundert in letzter Blüte. Rüxner's, erst1566 gedrucktes, mit Vorsicht zu benutzendes Turnierbuch giebt eine vollständige Übersicht der An-ordnungen und Gesetze, welche dem Kampfspiel und den Genossen desselben vorgeschrieben waren. WieHaufen gegen Haufen (im Buhurd) und Mann gegen Mann (im Rennen) zu kämpfen habe, wer turnierfähigsei, auf welche Weise man es werden, oder dess verlustig gehen könne. Die Waffen waren entweder stumpf,oder scharf. Zu den ersteren (armes courtoises) gehörten die unbeschlagenen Kolben und stumpfen Schwerter.Solche Kolben sehen wir auf Blatt No. CXXXII. in Anwendung. Die mit offenen, fünfbügelichen Turnier-helmen bedeckten Ritter kämpfen truppweise. Zu unterscheiden sind hierbei die mit einem Wulst (demStirnbande) geschmückten, und die vergoldeten Helme. Ein Scharfrennen (joustes ä outrance) wird inGrünenberg nicht abgebildet, aber dennoch eine zweite Turnierscene No. CXXXIII., wobei die Kämpfendenmit Helmschmuck (Cimier) und stumpfen Schwertern erscheinen (Kleinodienkampf).
Grünenberg bildet die Bannerträgerinnen der 12 Turniergesellschaften ab, die zu seiner Zeit inden vier Reichslanden, Schwaben, Franken, Reinland und Bayern, eine Rolle spielten.
Einzeln treten auf:
Fisch und Falk . . No. 133 b. Schwaben,
Cron „141. Franken,
Laitbrack und Kränzli „ 143 b. Schwaben,
Wolff 149- Rhein,
151. Franken,
Einhorn, Fürspangund Bär
Windhund .... ,, 159. Rheinisch,
Steinbock .... „ 168. Rheinisch,
Turnierer v Bayern . „ 163.
Bei dem zu Ansbach i. J. 1485 veranstalteten, in allen vier Landen verkündeten Turnier, welchesmehr als 150 Damen durch ihre Gegenwart verherrlichten, erschien Markgraf Friedrich, der älteste Sohnzweiter Ehe des Churfürsten Albrecht Achill von Brandenburg, an der Spitze der Gesellschaft des gekröntenBären gegen seinen jüngeren Bruder, den Markgrafen Sigismund. Die anwesenden Ritter hatten sich mitihren Gesellschaftszeichen geschmückt, und es unterschieden sich demgemäss sechs Abtheilungen. Die Ge-sellschaften des Einhorns, des Steinbocks, des Fisches und des Falkens, des Leithundes und des Wolfes,gegenüber der aus 50 Rittern bestehenden Gesellschaft des Bären. Vier Ritter, ein Herr von Schellenberg,von Gumpenberg, von Dalberg, und Truchsess von Wetzenhausen, erhielten den grossen Dank (Kampfpreis)aus den Händen einer Dame. Markgraf Friedrich gewann in dem nachfolgenden Stechrennen nur einenStechdank. Die Hofrechnungen enthalten Geschenke für die Pfeiffer „mit der krummen Pfeififen, die meinengnädigen Herrn angepfiffen".
Die Turniergesellschaften hatten ihre Könige, Turnier- und Gesellschafts-Vögte, Bannerträger, vgl.die löblich Gesellschaft des gekrönten Steinbocks, Hans von Kronenberg Kung der Gesellschaft. Deshalbsind aber diese Gesellschaften nicht zu verwechseln mit den Rittergesellschaften der Könige und Pürstend. h. Ordenszeichen, welche für Treue und Verdienst verliehen wurden und deren wir bei den betreffendenFürsten-Wappen gedenken. Die Mitglieder der Turniergesellschaften trugen das Gesellschaftszeichen auf derBrust, an der Kappe oder am Hut. Die Ritter golden, die Edelleute weiss oder silbern, die Ehrenknechtehalb golden, halb weiss oder silbern (vgl. den Grabstein des Ritters Georg von Seckendorf (-J- 1444) zuKloster Heilsbronn, worauf des Ritters ganze Figur mit dem Gesellschaftszeichen der Fürspenger auf derBrust; Abbildung bei Hefner Trachtenbuch). Die Rittergesellschaftszeichen der Fürsten (Ordenszeichen)wurden an goldenen oder silbernen Ketten um den Hals getragen (vgl. Stillfried, Schwanenorden Ausg. 1845und Alterthümer und Kunstdenkmale des Hauses Hohenzollern, Neue Folge).
Von den Adelsverbindungen, welche den „unordentlichen Befehdungen" entgegengesetzt wurden,welche aber der Erhaltung des Landfriedens „mehr hinderlich, als zuträglich" gewesen sind, — den Rauf-gesellschaften des 14. Jahrhunderts — z. B. dem Sternerbund, dem Hörnerbund, den Falkenern in West-falen, dem Bengier- und Fleglerbund, — schweigt unser Grünenberg discreterweise. — Turnierbuch d. HerzogsWilh. v Bayern, Schlichtegroll 1817—28. Das schon in der Einleitung citirte Mspt. d. Münch. B. Turnier-buch Marx Walthers v. Ulm.
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