Vorgeschichtlicher Aschenhügel. Opfer. Scherben.
25
10 Meter lang nach b zu, etwa bis zur Linie c- d; an der Nordostseitedes Bergfrieds ist sie durch Aushebung der Mauergruben zerstört. Indiesem Aschenhügel wurden Gefässreste angetroffen, die aus vor-geschichtlicher Zeit stammen ; sie stimmen mit dem neolithischen Grab-felde am Bahnhof Eschborn überein, das ebenfalls vom Herrn Archi-tekten Thomas erschlossen und bestimmt wurde. Dieser Aschenhügelist weit älter als die gesammte Burganlage, denn bei Aushebung desBurggrabens und der Fundamentgräben des Bergfrieds wurde er senk-recht durchschnitten. Auf seiner Oberfläche findet sich eine schwacheSchicht derselben Steinplitter, die den alten Werkplatz bezeichnen.
Die Gelehrten fassen dieses Vorkommen dahin auf, dass hier ein„Opfer" vorliege. Die Erbauer des Burgstalls haben, einem altheid-nischen Aberglauben folgend, jenem Brandhügel absichtlich eine Stelleunter ihrer Neuanlage angewiesen, oder auch: den neuen Bau auf ihngesetzt, denn die Wahl des Bauplatzes ist an sich, wegen der Ueber-höhung im Norden, keineswegs einwandsfrei. Die Bestandteile desHügels sind : sandiger Lehm, Aschen- und Kohlenrestchen, Scherben ;letztere entstammen nicht der römischen Zeit. Des Brandhügels Be-deutung nach Jakob Grimm: Deutsche Mythologie S. 1093 — war„gleichsam ein der Erde gebrachtes Opfer, welche die Last des neuenBaues auf sich duldet; durch diesen grausamen Brauch wähnte manunerschütterliche Haltbarkeit oder andere Vorteile." Es wurden nämlichauch wohl lebendige Thiere eingegraben. Durch das Brandopfer, dessenBestandteile hier nicht mehr erkennbar sind, suchte man den Schutzdes Baues vor verderblichen Elementen zu erwirken. Im Altertumwurden die Opfergefässe für den Toten zerschlagen, um ihre spätereprofane Benutzung zu verhindern, wie wir jetzt noch das Glas zer-brechen, aus dem auf das Wohl einer verehrten Person getrunkenwurde. Opfer brachten Glück und Segen; diese Vorstellung blieb anden Scherben der zerbrochenen Opfergefässe hangen ; sie wurde dannverallgemeinert. Die Scherben wurden auch vielfach schon als Scherbenhingeworfen: „Scherben bedeuten Glück." Dieses Brandopfer hat denBergfried von Eschborn sechshundert Jahre lang gestützt und beschützt biser am 16. Juni 1622 den Mordbrennern des dreissigjährigen Krieges erlag.