Druckschrift 
Die von Kronberg und ihr Herrensitz : des Geschlechtes Ursprung, Blüte, Ausgang ; der Burg Gründung, Ausbau, Niedergang, Zerfall, Wiederherstellung ; eine kulturgeschichtliche Erzählung aus elf Jahrhunderten 770 bis 1898
Seite
VI
Einzelbild herunterladen
 

VI

Widmung und Vorwort.

Mein persönlicher Ausgangspunkt bei der Hebung eines geringenTeils von diesem Schatze konnte nur der eines bescheidenen Freundesder vaterländischen Geschichte sein, dem allerdings nicht Neigung undTrieb für den Angriff seiner Aufgabe, wohl aber die fachmännischeVorbildung für deren streng wissenschaftliche Bewältigung fehlt. Nach-dem jedoch der Aufruf behuf Ermittelung und Sammlung des Stoffes,der in Euerer Majestät allerhöchstem Auftrage unterm 21. November 1894erging, ein so unerwartet vielseitiges Entgegenkommen gefunden hatte,wusste ich mich der Leitung und des Rates hervorragender Fachgelehrterbei Erschürfung und Sichtung der archivalischen Grundlagen versichert.Für diese Vorarbeit ergab sich allerdings eine sehr wesentliche Schwierig-keit aus der fast völligen Vernichtung des reichen Schatzes an Familien-urkunden der Kronberge durch Kriegsverwüstung und Brand; nichtweniger durch den Untergang des Kurstaates Mainz und die willkürlicheVerteilung seines archivalischen Nachlasses unter die Erben: Bayern,Hessen, Nassau und andere, bis nach Wien. Aber dort überall, wieim Stadtarchive von Frankfurt und im fernen Reichsarchive zu Stockholm,fand ich offene Thüren; nicht minder in den zahlreichen Beständenangesammelter Urkunden der mit den Kronbergen verbundenen adligenFamilien, soweit die Anordnung des Materials das Auffinden zerstreuterEinzelheiten gestattet.

Der grösste Teil der von mir wieder ans Licht geförderten Ur-kunden, besonders aus der frühesten Zeit, meldet einfache Vorgängedes häuslichen und wirthschaftlichen Lebens: Zeugenschaften, Schuld-und Pfandverhältnisse, Eheverträge, Erbteilungen. Da ich nun keineRegesten herzustellen habe, so würde ihr Inhalt den Gang der Er-zählung mit gleichgültigem ermüdendem Ballaste beladen. Auch sprechenin den Urkunden fast stets Wissende zu Wissenden, daher sehr knapp.Dann klaffen breite Lücken, über die hin der Zusammenhang meistensnicht zu verfolgen ist. So wurden diese Archivalien von mir wesentlichnur zur Klärung der, noch niemals gründlich festgelegten Personalienverwertet. Ueberhaupt ist ja die älteste Geschichte eines solchenGeschlechtes kaumGeschichte" zu nennen, denn ihr fehlt allzusehrder lebendige Pulsschlag stetig fortschreitender Entwickelung. IhreBearbeitung gleicht mehr der Restauration eines alten höchst lücken-haften Mosaikbildes, wofür die einzelnen, ausgebrochenen und zer-