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Chronik der Familie Weyersberg zu Solingen
Entstehung
Seite
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Der in Familienaufzeichnungen*) zuerst erwähnte Vorfahr ist Clemens Weyersberg, geborenam 12. April 1681, und zwar, wie aus dem vorhergehenden Schwertschmiede-Bruderbuch-Auszug hervorgeht,als jüngster Sohn von Peter Weyersberg zu Solingen.

Nach den Ueberlieferungen zu urtheilen, rnuss Clemens ein sehr thätiger und angesehener Manngewesen sein. Fünfmal, vergl. S. 5, bekleidete er das Ehrenamt eines Bürgermeisters; unter ihm wurdeam 23. Juni 1732 der Grundstein zu der wiederaufzubauenden reformirten Kirche gelegt. — Die bei dieserFeierlichkeit benutzten Geräthe, Hammer und Kelle, werden noch heute in der Familie aufbewahrt.

Der schön und kräftig gearbeitete Hammer (sein Gewicht beträgt D/4 Kilo) zeigt auf der oberen Fläche folgendeInschriften: am vorderen Theile ,,J. M. Moser, Architectoi" und um den Stiel herum „Ope hujus Mallei Impositusfuit Cap: Aug: Templi Ref: Sohls| s Die 23^ Juny Ao. D. 1732". Die Kelle trägt das Solinger Stadtwappen mit derJahreszahl 1732, umgeben von den Worten „Haec trulla usurpata Impositione Cap: Anguli Templi Ref: Sohl s i s Die23d a Juny". Auf den Seiten liest man ferner „J. M. Moser". Hammer sowohl als auch Kelle weisen als festlichenSchmuck heute noch bundseidene Randrosetten auf.

Zur Zeit seines Wirkens mag sich die schon weit früher begonnene Scheidung von Handwerks- undKaufmannsstand, soweit man in der Solinger Schwert-Industrie überhaupt von einer solchen sprechen kann,für unsere Vorfahren endgültig vollzogen haben. Clemens selbst wird wohl noch abwechselnd in derSchmiede thätig gewesen und geschäftlichen Beziehungen nachgegangen sein; seine Nachkommen mussten,der Lage der Verhältnisse entsprechend, auf die persönliche Ausübung des Schwertschmiedeberufs verzichten,um sich, wie es die neue Zeit erforderte, der kaufmännischen Seite des Geschäftsbetriebs ausschliesslich widmenzu können. Mochten auch schon ihre Vorgänger neben den in eigener Werkstätte angefertigten manche vonanderen Schmieden herrührenden Klingen vertrieben haben, sie wurden nun völlig zu sogenannten Kaufhändlern,indem sie fortan alle von ihrer Kundschaft bestellten Waffen bei den in Bettacht kommenden Handwerkern,als Schmieden, Härtern, Schleifern u. s. w., anfertigen Hessen und selbst nur die Lieferung des Stahles, diePrüfung der einzelnen Arbeiten und nach aussen hin die Verantwortung für dieselben übernahmen.

Im Jahre 1739 verzog Clemens aus der Stadt Solingen**) nach dem eine Viertelstunde vonderselben entfernten Hofe Oben-Pilghausen in ein von ihm erbautes, stattliches Haus, wo er am 14. März1754 starb. Zu Plnde der 1820er Jahre ist dieses Haus einer P"euersbrunst zum Opfer gefallen; jedochträgt das auf seinen Resten in allerdings einfacherer Weise neuerbaute Haus noch heute auf dem Vorder-giebel die ursprüngliche, mit „C. W. 1739" gezeichnete Wetterfahne.

Der einzige Sohn von Clemens, Peter Weyersberg, geb. 1721, gest. 21. Januar 1782,

vergl. S. 14, dehnte das Geschäft des Vaters immer weiter aus. Ueber seine Thätigkeit geben kürzlichaufgefundene Papiere***) mancherlei Aufschluss, besonders einige auf sein am 14. September 1781 nieder-geschriebenes Testament sich beziehende Aktenstücke.

Ausser dem von ihm bewohnten, sogenannten Stammgut zu Oben-Pilghausen besass Peter ein imJahre 1771, laut Thürinschrift, von ihm erbautes Haus nebst Wirthschaftsgebäuden und Ländereien auf derKirschheide, ferner je ein Gut zu Mittel-Pilghausen und auf der Ernenheide, sowie einen Laden zu Frank-furt a. M., deren Gesammtwerth ungefähr ein Viertel seines Vermögens ausmachte. Laut einer nachPeters Tode erfolgten Aufnahme setzte sich das übrige Vermögen hauptsächlich aus Obligationen, Hand-scheinen und Wechselbriefen zusammen; eine bedeutende Summe: 2776 Rthr. 13 St. 12 H.f) war in baaremGelde vorhanden; Handlungsguthaben und der Lagerbestand von Stahl wie von halb und ganz fertigenKlingen bildeten den noch übrigen Theil.

*) Bibel aus dem Jahre 17IG, zu Minden gedruckt, gegenwärtig im Besitze von Herrn Gustav Berg zu Solingen.

**) Wo derselbe gewohnt hat, wird uns nicht berichtet. Vielleicht „am Roster" neben dem heutigen Kirchplatz, demehemaligen Kirchhof, welcher 1727 durch ein von Clemens Weyersberg angekauftes Gärtchen „am Roster" vergrösseTt wurde. Vergl.Hengstenberg, „Geschichte der reformirten oder grösseren evangelischen Gemeinde zu Solingen", Solingen 1847, S. 185.

***) Dieselben befinden sich jetzt im Besitze des Herrn Gustav Berg,f) 1 bergischer Thaler, Rthr. hatte 60 Stüber zu IG Heller, sein Werth in heutigem Gelde ist Mark 2.30.