Druckschrift 
Forts. u. Schluß (1850)
Entstehung
Seite
41
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Heinrich Maneß, der Probst.'^) Wir haben schon früher erwähnt, daß Zürich diesem Manne einenersten Aufschwung wissenschaftlicher Anstalten verdankte, und wenn wir näher betrachten, was unter seinemEinflüsse geschah, so kann jene Behauptung sich nur bestätigen. Nicht nur wurde von ihm für die Hebungdes äußern Ansehens der Stift und der Oekonomie derselben sehr sorgfältig gesorgt, wie dieß viele Urkundenbezeugen , sondern auch auf das Wesentliche, den innern Zustand, die Disziplin und die Leistungen derMitglieder der Stift richtete er sein Augenmerk. Durchgreifende Verbesserungen in allen diesen Punktenwurden von ihm vorgenommen, über die wichtigsten Gegenstände ausführliche Verordnungen erlassen. Wiesich die Chorherren in Ausübung deS Gottesdienstes, in Beobachtung der Fasten, in Ansehung ihrer Häuserund Gebäude , ihrer Einkünfte und des Genusses derselben zu verhalten haben; wie für die Stift ein beson-derer Cantor mit denselben Rechten und Pflichten, die der Cantor am Münster zu Basel besitzt, aus denChorherren ernannt werden soll; waö ein künftiger alleiniger Custos der S^ift zu verrichten habe; was mitBezug auf den Kirchenornat zu beobachten sei; was der Bibliothekar siillrarius) der Stift für Obliegenheitenzu erfüllen habe u. s. w. über Alles dieß erließ Probst Heinrich unter Genehmigung des Bischofs inden Jahren 1259 und 126V sorgfältige Bestimmungen. «") lind daß er auch die tüchtigen Kräfte zur Aus-führung des Beschlossenen zu finden wußte, beweist die glückliche Wahl Konrads von Mure. Nicht ohnetiefen Sinn hat Probst Heinrich zuerst unter allen Pröbsten das Bild Kaiser Karls deS Großen in seinSiegel stellen lassen. Alte Ueberlieferung mochte ihm gesagt haben, waö Karl einst für die Stift Zürich,wie für alle Kirchen und Schulen seines großen Reiches gethan, und in dankbarer Verehrung nahm er dasBild des Kaisers, dessen Gedanken ihn im eigenen Wirkungskreise beseelten, sich zum anregenden Symbol.Wir können dasselbe nicht betrachten, ohne anzuerkennen, daß seine Wahl ebenso berechtigt, als glücklich war.

In solcher Weise verwaltete Heinrich Maneß die ihm anvertraute Stift bis an seinen Tod. WenigeTage vor seinem Bruder Otto, am 1. April 1271, starb er. Das Jahrzcitbuch nennt ihn unter diesemTage: Heinrich, der Diakon'«-), der Probst, genannt Maneß. In dankbarem Andenken hieltihn die Stift noch lange; noch vierzig Jahre nach seinem Hinschiede, am 17. Mai 131 l, wurde es durchbesondere Verordnung neuerdings festgesetzt, daß einer der Kaplanc regelmäßig seine Jahrzeit zu feiern habe. '««)

Heinrichs Siegel, oval, zeigt in der obern Abtheilung das Bildniß des Kaisers, sitzend, mit den Hän-den daS auf den Knien liegende Schwert an Griff und Klinge fassend (wie das Bild am Großmünsterthurm'«'');darunter, horizontal, der Name: «karalug», der die Mitte des Siegels einnimmt. Im untern Abschnittestehen die beiden Heiligen Feli.r und Negnla; um das ganze Siegel die Umschrift: «8. Ileinrici IPomtiLeclio Turieon.» (S. Heinrichs, des Probsts der Kirche Zürich.)

Kopp a. a. O.

-°2) Zahlreiche Urkunden im Stiftsarchiv Zürich. - Eine» Chorherr» Rüdiger von Klote», der sich Schmähungen wider dieStift und die Abtei erlaubt hatte, bestrafte der Probst mit (bischöflich bestätigter) Exkommunikation. (Urk. 21. Juni 1264). DreiDiener des Probstes (von denen wir zwei auch im Jahrzeilbuch finden) heißen: «Uonrarius, Lorlolclus ol Lortolilus servioMe«nostri, eives Tu ri c s u s e s.» (Urk. 23. Febr. 1262.) - Unter den Schuldnern der Stift war einst auch Gras Rudolf vonHabsburg. (Urk. 28. Mai 1264.) Herrgott. II. 384.

'64) Urkunden und Bücher der Stift.

'°"1Diakon" bezeichnet den geistlichen Rang im engern Sinne (diejenige katholisch-kirchliche Weihe, die H. M. empfangenhatte). Vergl. hierüber, wie über die Stift im Allgemeinen, Kopp Eidg. Bünde II. S. 13 u. 14.

-°°) Urk. Stiftsa. Z.

Hat Probst H. M. zuerst ein Bild des Kaisers auch am Thurme aufgestellt? Dann wäre die übliche Benennungdieses Bildes (das Einige zu Kaiser Otto I. machen wollten) mehr als gerechtfertigt.