Druckschrift 
[Hauptbd.] (1849)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

Muße in Rüdger Manessens Leben Raum. Seinem Namensverwandten, dem Probste Heinrich Maneß,verdankte Zürich den ersten Aufschwung wissenschaftlicher Anstalten. Den sangeskundigen Konrad von Mure^)hatte derselbe an die Spitze seiner Stiftöschule berufen, die unter solcher Leitung zu einer vorzüglichen Stätteder Bildung emporwuchs. Unter den ersten Geschlechtern der Stadt und des umliegenden Adels blühte eineGeselligkeit, in der dieses Streben rege Theilnahme fand. Vor Allen waren Rüdger Maneß und seinSohn Johannes, Chorherr und Custos der Stift,^) eifrige Freunde und Förderer der edlen Dichtkunst,deren dankbare Stimme ihre Namen auf die Nachwelt gebracht hat. In des Zürchcrischcn Dichters JohannesHadloubs Gesängen sind uns die anziehenden Zeugnisse des geistigen und geselligen Lebens erhalten, dasdamals jene Kreise der höhern Stände bewegte. Den Bischof von Konstanz, Heinrich von Klingenberg,einen Zürich besonders geneigten Mann, und seinen Bruder Albrecht den Ritter, die Aebtissin Elisabethihre Muhme, 22) den Grafen Friedrich von Toggenburg, die Aebte von Einsiedeln und Petershausen, einenRegensberger, die beiden Manesse, den Ritter Rudolf von Landenberg und andere Edle, Ritter, Geistlicheund Frauen preiset Hadloub als Gönner und Freunde des Gesanges. Den Man essen insbesondere ist einesseiner Lieder gewidmet, in welchem er rühmend der reichen Sammlung von Gedichten erwähnt, die sie mitgroßer Liebe angelegt haben. Ihnen zu Ehren trägt noch heute die merkwürdige Handschrift, die uns unterden Werken zahlreicher Sänger auch diejenigen Hadloubs aufbewahrt hat, den Namen der Manessischen.^)Folgendes sind ungefähr (in Form und Inhalt möglichst getreu wiedergegeben) die Strophen, die der Dichterunserm Ritter und seinem Sohne geweiht hat:

S. Vögelindas alte Zürich" Note 9K.

28) Custos oder llrszauranus hieß derjenige unter den Chorherrn, dem insbesondere die Aufsicht über den Stiftöschatz oderKirchenschatz oblag. Cr hatte den Nang unmittelbar nach dem Probste und ist häufig Stellvertreter desselben. Johannes Maneßist, unter den zahlreichen Stiftsherrn des nämlichen Familiennamens, der einzige, der dieses Amt bekleidet hat, so viel aus denUrkunden wahrgenommen werden kann.

28) Entweder die Äbtissin Elisabeth von Wetzikon (ä.o. 1LS9-i298> oder ihre Nachfolgerin Elisabeth von Sviegelberg12981307).

2°) Ein eigenthümliches Schicksal hat diese Gesänge nach Jahrhunderten zuerst wieder zwei zürcherischen Gelehrten und durchsie der gebildeten Welt in die Hände gelegt. Ist daher auch ihre Annahme unbegründet, daß die Sammlung wirklich diejenige derManessen gewesen sei, von der Hadloub spricht, so darf doch der Name der Manessen, den die Entdecker ihr gaben, ihr auch fürkünftig billig belassen werden. (S. Geschichte der Wasscrkirche von S. Vögelin. ti)t. Nr. 8).

Auf Rüdger Manez und Johannes Manez,

t. Wo kann man finden so manch' Gedicht?Man findet ihr' nicht im Königreiche,Was man in Zürich sehen kann.

Man übt da viel den Meistersang.

Der Manez rang gar tugendreiche,

Daß er das Liederbuch gewann.

Seinem Hof mögen Sänger sich neigen,Ihn preisen sey's an welchem Ort;

Denn Sang hat Stamm und Wurzeln dort,Und wo ihm ein Ort gut Lied möcht' zeigen,Er würbe darnach fort und fort

2. Sein Sohn, der Küster, nimmt auch garDes Sanges wahr; manch' Lied der MinneDie Herren gut gesammelt ha'n.

Ihr Lob beweiset wohl sich hie.

Wer lehrte sie im Anbeginne?

Der nahm sich ihres Ruhms wohl an.

Das that ihr Sinn; der richtet sie auf Ehren,Wie'ö von Geburt an stets geschehn.

Sang, womit Frauen, schmuck und schön,Man kann erhöh'n, ihr Lob zu mehren,Den wollten sie nicht la'n zergehn.