Veitrüge .zur Geschichte der Familie Maneß.
Von kundiger Hand ist in den letzten Neujahrsblättern der Stadtbibliothek die Geschichte der Wasserkirchemit großer Liebe beschrieben worden. Die bedeutenden Erinnerungen, die sich sür Zürich an das schöneGebäude knüpfen, insbesondere die Schicksale der werthvollen Sammlung, der dasselbe zum würdigen Auf-enthalte dient, von ihrem ersten Ursprung an bis zur gegenwärtigen erfreulichen Entfaltung, haben unsere Leserkennen gelernt. Und wie die anziehende Stätte selbst, so ist auch jene Darstellung, in noch reicherem Maße,mit den sprechenden Bildern der Männer geschmückt, die sich um Zürichs geistiges und wissenschaftliches Lebenausgezeichnetes Verdienst erworben haben. Die Bibliothek bewahrt die Früchte ihres Fleißes und ihrer Be-mühungen; die Geschichte der Bibliothek wird von selbst zu einem ununterbrochenen Zeugnisse ihrer Wirksamkeit,die sie uns in lebendiger Anschauung vorgeführt hat. So sind denn in ihr, wie in einem reichen Kranze,die schönsten Blüthen unserer vaterstädtischen Kulturgeschichte seit den letzten zwei hundert Jahren zu einemanziehenden Ganzen vereinigt.
Schwer hält es, nach solchem Vorgange, unsern Lesern ein Neujahrsgeschenk darzubringen, das sich einesauch nur ähnlichen Werthes erfreuen möchte. Den Versuch dazu können wir nur mit einem Gegenstandewagen, der mit Zürichs litterarischer Geschichte in enger Verbindung steht. Hinaussteigend durch die ebengeschilderten Zeiten, durch die Epoche der Reformation, die zu ihrer Entwicklung den Anstoß gab, ja nochdurch die vorangegangenen Jahrhunderte kriegerischer Verwilderung, auS denen nur die Gestalt „MeisterHemmerlin's" als einsamen Trägers eines nicht ganz erloschenen Funkens geistiger Bildung hervorragt —suchen wir eine frühere Periode auf: Das Zürich, das schon im dreizehnten Jahrhunderte der Glanz derMusen umleuchtete.
Unser dießjähriges Bilv zeigt eine Stätte, die ihnen damals gewidmet war. Wem unter uns sollte sienicht bekannt und lieb sein? Ja wohl, wie oft haben wir Alle jene Höhe erstiegen und uns an dem unver-gleichlichen Anblicke erfreut, den sie von ihrem Gipfel aus gewährt! Und wenn dann unser Auge von derAnmuth des Sees, von der düstern Einsamkeit des SihlthalS oder der Majestät der purpurbeglänzten Alpeu-kette sich rückwärts wandte auf die Stelle selbst, die so viel Herrliches dem Blicke eröffnet, — wie sehr wardder empfangene Eindruck durch den Gedanken erhöht, daß schon vor Jahrhunderten ein edler Geist hier seinenWohnsitz sich erwählt, sich des gleichen entzückenden Anblicks in sinniger, kunstgeweihter Muße erfreut habe!
Der Name Rüdiger Mauessenö des Dichtcrfreundes, jedem Zürcher wohlbekannt, ist in der That nichtder geringste Schmuck der lieblichen Manegg. Nach einem halben Jahrtausend unverdienter Vergessenheithaben Zürcherische Gelehrte, Bodmer und Brcitinger, ihn zuerst wieder in Helles Licht gesetzt, hat ihn Johannesvon Müller der vaterländischen Geschichte auf immer eingefügt und der geschmackvolle Ordner jenes unmu-thigen Spazicrgangs ihm dort ein einfaches und ansprechendes Denkmal gewidmet.
t