Endlich finden wir im großen Jahrzeitbuchc der Chorherrenstift Großmünster seinen Todcötng vorgemerkt.„Rüdger Maneß, der Ritter, starb am 22. Februar 1253," bemerkt dasselbe und fügt hinzu,daß für die alljährliche Seelmesse, die für ihn gelesen wird, ein Scheffel Waizen „von den Gütern HeinrichsManessen im Hard entrichtet werde." ?) An demselben Orte und mit einem ähnlichen Beisatze ist unter demDatum dcS 17. April (ohne Jahrzahl) der Name seiner Wittwe: „Adelheid, Wittw-e Ritter RüdgcrsManessen des ältern," aufgezeichnet, die bedeutend später verstorben sein muß. Seine Söhne aber lernenwir durch die Mutter kennen; denn ein Auszug aus dem verloren gegangenen Jahrzeitbuche der Abtei Zürich,verfertigt von der sorgfältigen Hand des Geschichtsforschers I. Hch. Schinz, enthält ebenfalls unter demDatum des 17. April die Angabe: „Adelheid, die Mutter Rüdgerö und Johannes Manessen,der Ritter. "
Von diesen beiden Söhnen stammen die Linien von Manegg und vom Hard genannt her. Die väterli-chen Güter im Hard fielen dem jüngcrn Sohne, Johannes, und seinen Nachkommen zu, die wir imBesitze derselben bis in die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts finden, wo Zürichs zwölfter Bürgermeister,Felix Maneß, aus ihnen hervorging. Der ältere Sohn, Rüdger, ist der Stifter der Linie von Manegg,der Freund der Dichter und Gesänge; sein Urenkel der Sieger bei Tätwyl und erste Nachfolger Bruns.
Rüdgcrs (I.) Siegel, das an der erwähnten Urkunde vom Jahr 1251 hängt, zeigt in dreieckigemSchilde die beiden kämpfenden Ritter und rund herum die Inschrift: 8i»illum kuockuAsri Nag??:«» ckolureZo. (Siegel des Rüdger Maneß von Zürich.)
S. Nüdger (II.) der ältere.
Rüdger (II.) erscheint schon 1252, kurze Zeit vor dem Tode des Vaters, in einer Urkunde, die unszugleich zeigt, daß er der ältere der beiden obgenanten Brüder war. Am 9. Wintermonat jenes JahreS verkauftener und seine minderjährigen Geschwister Johannes und Anna an Otto von Hottingen, Dekan zu Kilchbcrg,„ir steinhus von dem stade uf unz an des obern huses mure an Chilchgazun." Es ist dieß das untere (an derjetzigen Römergasse, damals Kirchgasse, gelegene) der nachmaligen „Wettingerhänser", oder wenigstensein Theil desselben gewesen. Denn zwei Jahre hernach (1254) verkaufte Dekan Otto das nämliche Haus an dasKloster Wettingen, in dessen Archive sich dasselbe noch spät unter dem Namen „das Underhus" bezeichnet findet/)
Von diesem Zeitpunkte an treffen wir den Namen Nüdgers (II.) in zahlreichen Dokumenten, beiVerhandlungen und Geschäften der verschiedensten Art. Und da einer seiner Söhne gleichen Namens langeJahre hindurch ebenfalls neben ihm in den Urkunden vorkömmt/so wird er selbst meistens mit dem Beisatze:Rüdgcr der ältere (oder „der alte") bezeichnet, mittelst welchem auch wir ihn von allen gleichna-migen Nachkommen unterscheiden.
Jahrzeitbuch (Todtenbuch). Verzeichnisse derjenigen Personen, für welche Seelenmessen (Jahrzeiten) gelesen werden mußten,geordnet nach den Sterbetagen derselben. Leider sind nur noch diejenige» der Chorherrenstift, die der übrigen Kirchen Zürichs (einigeFragmente ausgenommen) nicht mehr vorhanden. — Heinrich Manesse ist der Enkel Rüdigers, zu dessen Zeit das oben erwähnteJahrzeitbuch aus ältern zusammengetragen worden ist.
6) Kopp Eidg. Bünde !I. pag. 20. Note t u. 2. Anhang psg. 722. Auffallend ist, baß der Vater und Großvater der Geschwister M.in der Urkunde (jedoch nicht mit Namen und nicht als verstorben bezeichnet) erwähnt werden und Ersterer nicht als handelnd erscheint,ungeachtet er erst 3 Monate später gestorben ist. Wegen des Dekan Otto von Kilchberg s. Geschichte der Wasserkirche psz. K und 7.Daß die jetzige Nömergasse noch -ro. 1304 Kirchgasse hieß, s. Vögelin das alte Zürich psg. 138 Nr. 413. Das obere Weitin-tigerhaus. das um die Mitte des täten Jahrhunderts zweien Brüdern Wiss gehört hatte, scheint das Kloster erst um diese letztere Zeiterworben und sich wegen dieses Besitzes durch besondere Erkenntniß des Raths haben sichern zu wollen. Richtebries VI. öl. 53. A. A. S.