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Hand- u. Adressbuch der Geschlechtsverbände u. Stiftungen
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Geschlechtsverbände und ihre Entwickelung.

Geschlechtsverbände, „Adelsgenossenschaft," „Nobi-litas" sind recht eigentlich Werkhütten am grossen monumen-talen Standes-Aufbau. Die Thätigkeit der einen schliesst dieder andern nicht aus — ergänzt sie vielmehr, hebt und fördert sie.Wie weit aber die Werkhütten ihre Thüren geöffnet — der Zuzug,der auch nur die Steine zum Platze führen soll, zaudert noch immer.— Soll die „Deutsche Adelsgenossenschaft", die neben denumfangreichsten Stiftungszielen der Wiedergeburt des gesammtenStandes in grossem Stil die Wege zu bahnen bestrebt ist, noch langenach wenigen Hunderten zählen, soll die in aller Stille so segensreichwirkende „Nobilitas" noch lange der hilfreichen Aristokraten undAristokratinnen entbehren, deren edle Namen wir unter so vielen —jedenfall viel ferner liegenden Zwecken gewidmeten Aufrufen prangensehen? Und endlich, so fragen wir weiter, soll es noch lange edleSippen, Genossenschaften gleichen Stammes und Schildes in Deutsch-land geben, deren Glieder sich nicht kennen, in Schildzeichen undFarben nicht das Palladium gemeinsamer Ehre, das Wahrzeichen ge-meinsamer Pflichten und Interessen erkennen, oder gar — was nochschlimmer ist, erkennen wollen? Wir meinen nein, und nochmalsnein! Wohl geben wir zu, dass während der Zutritt zu Adelsgenossen-schaft und Nobilitas nur von dem guten Willen beziehentlich demAufraffen des Einzelnen ahhängig ist — der Zusammenfügungeines Geschlechtsverbandes in Engherzigkeit, Partikularismusund Indolenz oft die grössten Schwierigkeiten entgegentreten.

Die unglaublichsten Hinternissgründe werden ins Gefecht geführt.Wir wissen das wohl. Sie Alle aber, das mögen sich die thatkräftigenFörderer der Urkorporation ein Jeder an dieser oder jener Stelle ge-sagt sein lassen — müssen und werden weichen, wenn ihnen nicht dieKraft erlahmt immer wieder von neuem dem Erwachen des BedürfnisseBewusstseins bahnbrechend tropfenweise den Stein zu höhlen. DieMacht des Beharrens, die der berühmte Sozialpolitiker Riehl dem. Standenachrühmt, kommt noch immer nicht zum wenigsten im starren Fest-halten an den verkalkenden Ueberlieferungen des Rationalismus unddes von ihm geborenen masslosen Subjektivismus zum Ausdruck. DerKampf dieser Tage gipfelt in dem Bestrehen, diese rationalistischeStandesanschauung zu brechen und sie mit ihrem nach unten strebendenSchwergewicht dem aufstrebenden Standesaufbau zu entreissen.

Möchte dies auch auf dem Gebiet des Geschlechtsver-bandes den Freunden aller dieser Bestrebungen in immer höheremGrade gelingen und die Gemeinschaft in Stamm und Schild demAdel der Gegenwart und Zukunft wieder mehr und mehr zu demwerden, wozu sie geschichtlich prädestinirt ist, zum Bunde rechter-