Geschlechtsverbände und ihre Entwickelung.
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die ersten Unterstützungen an bedürftige Geschlechtsgenossen zu ver-geben und nicht blos in konkreten Fällen dem Bedürfniss der Stundeentsprechend zu helfen, sondern feste Renten, Stipendien — für ganzbestimmte Zwecke auszuwerfen.
Man sage nicht „Kommt Zeit, kommt Rath," oder „Jeder wirdim rechten Augenblick gewiss wissen, wo ihn der Schuh am meistendrückt." Hier, wie überhaupt bei Begründung laufender, auf eineReihe von Jahren, oder gar auf Lebenszeit gewährter Renten er-scheint die eingehendste Erwägung der leitenden Grundsätze gewissgeboten. Die beste Directive werden die Bevorzugten, die sich in derglücklichen Lage befinden, sich solchen Erwägungen hingehen zumüssen, wie meist, auch hier im Beispiel der Vorfahren finden. DieMehrzahl der Stiftungen der Vergangenheit gilt unversorgtenFräulein und Witt wen und nächstdem akademischen Bildungs-zwecken — auch wohl hin und wieder Ausstattungen.
Die Bedürfnissfrage hat sich seitdem auf beiden Gebieten zweifel-los in hohem Grade erweitert, namentlich auch darin, dass sich dieBerufs- und Erwerbsmöglichkeit für Männer und Frauen des•Standes wesentlich ausgedehnt hat.
Wir resumiren dahin. — Die Geschlechtsverbände, — dieVerbände der erweiterten Familie, bilden als solche die Grund-lage der zu erstrebenden Adels-Organisation, und deren ersteInstanz. Eine geborne Waffenbruderschaft in allen Kämpfen undLeiden, in allen Stürmen des Lebens und doch auch bestimmt, Glanz,Ehre und Ruhm des Einzelnen, dem Schilde, der das Ganzedeckt, zuzuführen, sind sie die unentbehrlichsten Pflanz-stätten des Korporationsgeistes. Es ist darum eine Grund-pflicht des deutschen Adels und ein wesentliches Stück seiner Mit-arbeit an der Lösung der socialen Frage: in Schrift, Wort und Bei-spiel nicht nur die Zahl der Neubegründungen zu fördern, sondern vorallem auch das Funktioniren der bereits vorhandenen wirk-samer zu machen.' Das Arbeitsfeld, welches die Pioniere der Adels-Reorganisation betreten, ist ein so weites, dass jeder Fussbreit Vorwärtsdem Auge die Dimensionen desselben nur noch mehr öffnet. Der Auf-bau wird lange, sehr lange dauern — und viele Werkhütten sindnöthig, auch nur die Fundamente auf einem Baugrund zu sichern, dertheils auf Schlamm, theils auf Geröll und Flugsand steht. Da sindHände nöthig, viel Hände und wieder Hände, aber auch Geisterund Seelen, Seelen, die Lust an der Arbeit haben und selbstlos genug,denken — nicht gleich ernten zu wollen, wo sie gesäet, selbstlosgenug den Kommenden das erringen zu wollen, was sie selbst ent-behren müssen.