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Geschlechtsverbände und deren Entwickelung.
sich zur Korporation zusammen zu finden. Statt selbst die Hand andas Werk zu legen, erwartet man Alles vom Staat, dessen Omnipotenznur noch die feierliche Proklamation fehlt — um sie zum Dogma zuerheben.
Der Staat soll eben bei uns Alles thun und, wenn er auchviel thun kann und zweifellos auch in der sozialen Frage und ihrerLösung ein gewaltig Stück Thätigkeit zu entfalten haben wird, dieHauptarbeit wird doch nur aus der Korporation heraus erwachsen,aus ihr heraus sich entfalten können.
Des Staates Aufgabe wird darin bestehen müssen, in der vonihm ausgehenden Gesetzgebung zunächst die Korporationsbildungnach besten Kräften zu fördern und dann als der allumfassendeRahmen der gesammten bürgerlichen Gesellschaft die Pflichten, dieRechte der einzelnen Interessen-Gruppen und Gemeinschaften mit ein-ander zum Wohl der Gesammtheit in Einklang zu bringen. Dassder Adel als solcher und so lange er nur noch einige Lebensfähigkeit,noch einigen Willen zeigt, seiner Standespflicht nachzukommen, auchheute noch Anspruch auf eine Sonderstellung in der wiederherzu-stellenden Gesellschaft zu erheben hat, ist vielfach erwogen und be-gründet worden.
Im Licht seines Ursprungs betrachtet, ist der christliche Adeldeutscher Nation bei aller Mannigfaltigkeit der äusseren Gestaltung,aller Verschiedenheit der sozialen Ansprüche, deren Träger er im Laufund unter den Wandlungen von Jahrhunderten geworden — doch einsin der ethischen Auffassung der Wesenheit des Standes. Die traurigeErscheinung, dass das rechte Standesbewusstsein zahlreichen Standes-genossen verloren gegangen, kommt als anormal hier um so wenigerin Betracht, als solche Pflichtvergessenheit wahrlich keine Schicht desStandes unberührt lässt, als vielmehr erfahrungsmässig gerade in den-jenigen Schattirungen des Standes, denen ihre äussere Lebenslage undLebensstellung dessen dekorative und soziale Privilegien mehr oderweniger beeinträchtigt, meist mehr Verständniss für den Kern derStandesfragen gefunden wird, denn in den von der Sonne des äusserenGlanzes und Reichthums in der Schärfe ihres Blickes vielfach ge-schädigten Gliedern der sogenannten hohen Aristokratie.
Organische Neugliederung der Gesammt-Gesellschaftund in ihr bei aller durch die Vielgestaltigkeit der geschichtlichenund materiellen Unterlage bedingten Partikular-Gliederung, Zusammen-fassung des Standes zu einer in ihren Wirkungsströmen nach aussenwie nach innen gleich weit greifenden Organisation zur ethischen unddabei auf wirthschaftliche Hebungen keineswegs verzichtenden Be-rufs-Genossenschaft, sollte mehr und mehr das Streben aller für die