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Hand- u. Adressbuch der Geschlechtsverbände u. Stiftungen
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Geschlechtsverbände und deren Entwickelung. 9'

Zukunft arbeitenden Edelleute werden. So nur vermögen sie den An-forderungen zu entsprechen, welche mit der gesammten Gesellschaftihr Geburtsstand an sie zu richten speziell berechtigt ist. Das Grund-übel, mit dem alle Versuche, die Adels-Reorganisation in umfassenderWeise anzubahnen, zu kämpfen haben, ist der in der Entwickelungunserer gesammten Verhältnisse nur allzu tief begründete Pessimismusund der mit ihm in enger Wechselbeziehung stehende Mangel an alleradligen Thatkraft. Sie sind es, die verbunden mit jener entsetzlichenOberflächlichkeit, welche sich von der modernen Staatsraison mit allerleidekorativem Flitter abspeisen lässt — immer von Neuem das unselige„laisser aller" auf die Standes-Fahne schreiben.

Diesem „laisser aller" bat die Reformbewegung, welche unleug-bar, wenn auch nur in sehr allmählicher Steigerung, den grossen„Corpus Nobilitatis" in den letzten Jahrzehnten ergriffen, in un-zweideutigster Weise den Krieg erklärt. In natürlicher, ganz un-gesuchter und darum vielleicht gerade dem Bedürfniss entsprechenderEntwickelung hat die Bewegung ihr Vorwärts bis dahin auf drei ein-ander hei rechter Auffassung trefflich sekundirenden Operationsfeldernvollzogen. Wir meinen das zuerst betretene der Geschlechtsver-hände, das der „Deutschen Adels-Genossenschaft" und dasdes rein charitativen Zwecken gewidmeten Vereins „Nobilitas".

Es kann nicht Aufgabe dieses der Bedeutung der Geschlechts-verbände geltenden Aufsatzes sein, die Wege zu beleuchten, auf denenman „getrennt marschiren" soll, um dann den gemeinsamen Gegnerinnerhalb und ausserhalb des Standes „vereint zu schlagen". EinWort nur möchten wir auch hier über das gegenseitige Verbältnissder beregten Faktoren, das nur allzuhäufig den ungerecbtfertigstenDeutungen unterliegt, sagen. Dass die Bestrebungen der „DeutsebenAdels-Genossenschaft" keineswegs immer die Würdigung erfahren,,die sie verdienen, erklärt sich ja ganz folgerecht aus dem Mangelan Standesbewustsein, der die Mehrheit des Adels beherrschtund den auf alle Weise durch die rechte Erkenntniss der Standes-pflichten zu verdrängen zu den vornehmsten Aufgaben der Ge-nossenschaft gehört. Auch Anfeindungen, wie die des Organs desritterlichen Ordens von St. Johann, so nichtig ihre Be-gründung auch war, können uns nicht allzusehr befremden. Sosehr wir die charitative und darum sozialpolitische und der Standes-pflicht durchweg entsprechende Thätigkeit des Ordens zu schätzenwissen, so lässt sich doch nicht verkennen, dass es nicht eigentlichstandlicbe, das heisst einer durchgreifenden Wiedergeburt undNeugliederung des Adels bahnbrechende Bestrebungen sind,welche dem Orden so zahlreichen Zuwachs erringen, dass vielmehr