Druckschrift 
Das deutsche Volkslied : ein Vortrag, gehalten im deutschen Sprachverein zu Innsbruck am 7. Januar 1889
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Anmerkungen.

^ Die Bezeichnungen stammen von Herder. Die frühere Zeit befaßk einen einheitlichen Namen dafür, sondern benannte nur einzelne Gattungenwie „Reiterliedleiu", „Bergreihen", „Siraßcnliedlcin" u. s. w. In ältesterZeit bezeichnete man den Volksgesang gegenüber den gelehrten lateinischenVersen (vsrsuo) als earmsn und gewöhnlich mit einem Adjektiv verbundenals earmsn lmrdarum, earmsrr vulgars oder triviale oder rustieum, earmsnxudiioum u. dgl.

^ Daß das Gedicht Goethes eigenes Produkt ist, ändert an der Sache

nichts.

^ Böckel, Hess. Volksl. L4-XXV.

^ Die Schnaderhtipfeln in Meyer, Essays S. 402. Er sieht aberin der ersten Hälfte der Strophen nur mechanischen Einsatz, der Sinn undBedeutung verloren hat. Allein aus dem Obigen wird das Gegentheilklar geworden sein. Ohne die beiden ersten Verse würde der Gegensatzzwischen „randtig" und „law" nicht so deutlich sein und nicht so stark gefühltwerden; der Parallelismus ist also nothwendig zur Verdeutlichung undVerstärkung, er macht die Strophe erst witzig und zu einem Gedicht.

° Kommen solch weiter 'ausgesponnene Bilder und Vergleiche vor, soo ffenbart sich gewöhnlich eine Schwäche der Volkspoesie; sie vermag esnämlich selten, den Vergleich einheitlich und folgerichtig durchzuführen,sondern mischt unpassende Züge ein. Ich will ein berühmtes Gedicht alsBeleg anführen. Zu seinem Heidenröslein benutzte Goethe ein altes Volks-lied. Die 4. Strophe desselben lautete

Das Röslein, das mir werden muß,

Röslein auf der Heiden,

Das hat mir tretten auf den FnßUnd gcschach mir doch nicht leide.

Der Vers „hat mir tretten auf den Fuß" fallt ganz aus dem Bilde:ein Röslein hat keinen Fuß und kann nicht treten; Goethe hat ihn dahergestrichen, den Gedanken aber beibehalten und dem Bilde entsprechend aus-gedrückt: „Röslein wehrte sich und stach". So hat er es auch an anderen

;Z7V)