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neue Nahrung zuführt, wie umgekehrt manches volksthümlicheLied von diesen Kunstdichtern, welche sich vom Volksliede be-fruchten und erziehen lassen, ins Volk gelangt und da zurechtgesungen wird.
Wie die alternden Städte sich fortwährend mit neuen Kräftenaus dem Landvolke auffrischen; wie unsere Schriftsprache fort-während neues Sprachgnt aus den Mundarten schöpft, so zieht dieKnnstdichtung stets neue Keime, neue Säfte aus der Volks-dichtung, Während noch Grillparzer seinen SangesgenossenUhland wegen dessen volksthümlicher Dichtungsweise angriff,ist heute unter den Lyrikern die Ueberzeugung so ziemlich all-gemein geworden, daß in der Volksthümlichkeit des Liedes einerstrebenswerther Vorzug liege. Aber auch das gebildete Publikumselbst verlangt mehr und mehr nach Volksdichtung. Man hatseit den Romantikern angefangen, in allen deutschen Landen dieSchätze der alten und noch lebenden Volkslieder zu sammelnund durch den Druck zu sichern. Es sind wohl über hundertBände zu Tage gekommen; aber sie alle werden gekauft undgerne gelesen. Auch bei Mnsikaufführungen ist das volklicheElement regelmüßig vertreten.
Das ist nicht bloße Modesache, sondern ein tieferer Grundliegt dahinter. Es ist ein elementarer Zug, der unsere über-bildete Zeit zur Volksdichtung lockt: Es ist derselbe Zug, deruns im Sommer hinausdrängt aus der Schwüle und dem be-täubenden Lärm der Stadt auf das stille, frischgrüne Land,damit wir dort im Schoße der Natur an Geist und Körperneue Kraft, neues Leben gewinnen. Es ist jene alte unstillbareSehnsucht des Kulturmenschen nach Einfalt, nach Wahrheit,nach Ursprünglichkeit, nach Natur im ganzen Umfange des Wortes,