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Dramen der Volkspoesie viel näher als jene französischen Stücke,welche die Deutschen bisher als höchste Kunstmuster verehrt !hatten; ja Shakespeare hat geradezu alte Volkslieder wirkungs-voll in seine Dramen eingeflochten, 1765 veröffentlichte alsdannder englische Bischof Perey die, erste große Sammlung alterVolkslieder. Sie wurden bald in Deutschland bekannt undwirkten mächtig auf Herder und seine Zeitgenossen, besondersauf Goethe, welche alsbald ein neues Evangelium der Poesieverkündigten i weg von der bisherigen Gelehrtendichtung ohneSaft und Kraft, nur nach schiefen Regeln ausgeklügelt und mitleerem Flitter behängt; weg aus dem tintenklexenden Stüdte-leben und hinaus zu den idyllischen Zuständen ursprünglicherMenschheit, wo die Volksdichtung im Verborgenen lebt; den»sie ist eine Quelle wahrer Poesie, bei ihr ist Natur aus ersterHand zu empfangen, sie wirkt verjüngend und kräftigend wieder Dnft des Waldes und der Hauch der Hochlaudsluft: „weraus diesem Brunnen trinket, der junget und wird nicht alt".
Das Volkslied wurde wie Shakespeare ein Schlagwort fürd as junge geistesmächtige Dichtergeschlecht jener Zeit, Und stist es gekommen, daß die Volksdichtung einen entscheidendenEinfluß gewonnen hat bei der Wiedergeburt unserer deutschenDichtung, Es ist bekannt, wie Goethe selbst Volkslieder sammelte;es ist bekannt, daß seine schönsten Lieder jene sind, wo erentweder geradezu ein Volkslied zu Grunde legte jHeidenröslein,Erlenkönig u, s. w.), oder wo er im Geiste des Volksliedesdichtete, was vor der italienischen Reise überwiegend der Fallwar. Und wie bei Goethe so war es bei Bürger, so war esbei den Romantikern, so war es bei den Freiheitssängern, sowar es bei den Schwaben und so war es bei den meisten hervor-ragenden Lyrikern nach Goethe und so wird es auch fernerhinsein. Das Volkslied ist in der That der Jungbrunnen ge-worden, der unsere nationale Lyrik verjüngte und ihr unaufhörlich
(ZSS)