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Das deutsche Volkslied : ein Vortrag, gehalten im deutschen Sprachverein zu Innsbruck am 7. Januar 1889
Entstehung
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„Guter Kamerad" tm Volksmunde sich bereits verändert, hatProf. Steiuthal berichtet a. a. O., wie er das Lied von einemDienstmädchen habe singen hören: die dritte Strophe sang es garnicht; die anderen beiden hatten mancherlei Veränderungen, diesich bei genauerer Betrachtung als wirkliche Verbesserungen er-weisen. So sang es in der zweiten Strophe: „Die Kugel kamgeflogen". Die Volkssängerin setzte also das bestimmte Subjektfür das unbestimmte und zwar konsequent nicht nur in diesem,sondern auch in den folgenden Versen j„Jhn hat sie", statt„Ihn hat es" u, s. w.); das ist viel genauer, wesenhafter,lebendiger, anschaulicher. Ebenso gelungen ist der Umguß deszweiten Verses, der bei ihr lautete: „Gilt sie mir? Gilt sie dir?"Die zwei kurzen gleichgebauten Fragen drucken deutlich die stoßendeAngst des beobachtenden Soldaten ans, und die Pause in derMitte malt den schrecklichen Augenblick des athemlosen Hin-starrens, auf wen die Kugel eindringe, ob auf ihn oder aufseinen Freund. Nicht weniger gut sind die Aenderungen imdritten Verse. In der Uhlandschen Fassung stehen unter sechsWörtern fünf Einsilber, welche bekanntlich den Rhythmus zer-schneiden und den Vers schleppend machen. Die Volkssängcrmentfernte zwei, indem sie setzte: „Er lag vor meinen Füßen;"„lag" ist gleichfalls besser als „liegt", denn auch sonst steht imGedicht die Vergangenheit der Erzählung. Endlich bildet derganze Vers jetzt einen schönen Gleichbau mit dem vierten Verseder ersten Strophe: „Er ging an meiner Seite". — Es ist ganzmerkwürdig zu beobachten, wie hier Volkssänger ohne jedeSchulung, bloß geleitet von natürlichem Gefühle, einen so knnst-geübten Sänger wie Uhland gleichsam im Fluge verbesserthaben.

Auch für den Wegfall der dritten Strophe lassen sich dieGründe vermuthen. Es ist schon innerlich unwahrscheinlich, daß dertödtlich Getroffene noch die Hand reicht, und ebenso unwahrscheinlich,

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