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Das deutsche Volkslied : ein Vortrag, gehalten im deutschen Sprachverein zu Innsbruck am 7. Januar 1889
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daß der Eifer des Ladens dem Kameraden keinen Augenblickgönnen sollte, diesen Abschiedsgruß zu erwidern, Alsdanu führtdie ganze Strophe die Handlung nicht mehr weiter: wie dietragische Kugel deu Freund zu Tode getroffen, ist sie vollendet;Uhland fügte nur einen ausklingenden Accord hinzu, der dieFreundschaft der Beiden und die Unverbrüchlichkeit derselben(„Bleib du im ew'gen Leben mein guter Kamerad") noch be-sonders hervorhebt, wie es ihm die kunstmäßige Abrundung zuverlangen schien. Endlich hat die Schlußstrophe eine süßlich-sentimentale Färbung, Das alles sind Momente, welche demVolksgeschmacke zuwiderlaufen; dieser begnügt sich mit demThatsächlichen, mit dem Nothwendigen und Wesentlichen,

Vom Namen des ursprünglichen Dichters hatte die Sängerinnatürlich keine Ahnung,

Von wem rühren nun diese Aenderungen her? Das könnenwir nicht genau ermitteln, das wissen wir nur im allgemeinen:von allen Jenen aus dem Volke, welche es bisher gesungenhaben. Und Diejenigen, welche es fernerhin singen, werden dasLied noch weiter umgestalten, werden weglassen und zusetzenganz nach eigenem Gefühle. Dadurch wird das Gedicht immermehr von einem Kunsterzeugniß zu einem Naturerzeugniß, voneinem Kunstlied zu einem Volkslied,

Nun ist klar, was es heißt: ein Volk dichtet. Auch hierist der ursprüngliche Dichter immer ein Einzelner; aber es sindUnzählige, die nach ihm kommen und daran arbeiten: es istein ganzes Volk, eine ganze Nation, welche das Lied „zurechtsingt", wie der bezeichnende Volksausdruck lautet.

Auf diesem Wege sind viele Kunstprodukte, von denen jetztnoch die Verfasser nachgewiesen werden können, zu Volksliederngeworden, besonders im l4,, 15. und 16, Jahrhundert: z. B,Gedichte Oswalds von Wolkenstein, Heinrichs von Laufenberg,Lieder von Witzstatt, Geugenbach, Grünewald, Luther und

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