— 88 —
hatte: Die Frau Marschallin Ingeborg, ein gewisses gelbesBrokatkleid, das diese bei festlichen Gelegenheiten trug, auch dieKette, die ihr der Kurfürst verehrt hatte, der stolze Name Schulen-burg, den Frau Ingeborg trug, während die «Flans» kein festesHaus und ihre Ahnen wenig Glanz um sich verbreitet hatten —kurz, es ging wie ein schwarzer Schatten über ihre Augen, siepresste die Lippen aufeinander, und — war es ein Bratspiess ? wares eine Pfanne für Eierkuchen ? — das Kücheninstrument schwirrteplötzlich auf das verhasste Haupt der Marschallin nieder. Dochhatte diese sich schnell zur Seite gewendet und so traf das Küchen-instrument nur die feste Haube, diese mit der gesammten Frisur,an deren Nadeln sie hängen blieb, über das linke Ohr schiebend.Der «göttliche Sauhirt» sprang dazwischen, Frau Ottilien das Küchen-instrument entreissend und die Damen trennend, welche die unleug-bare Tendenz zeigten, sich die Finger gegenseitig in die Augenzu stecken. . . .
Mit diesem ersten thätlichen Angriff war gewissermassen dasEis gebrochen. Was in dem frommen Busen der beiden Damenstill geschlummert hatte: der Wunsch «sich einmal recht nahe zutreten», war in Erfüllung gegangen, und spät Abends im Bett, vordem Gebet — auch leider manchmal nachher! — spielte diePhantasie mit den merkwürdigsten Gegenständen, welche sich eignenkönnten, um der Frau Muhme am Kopfe sehr wehe zu thun. Eserfolgten darum auch mehr dementsprechende Zusammenstösse unddie Mitglieder der Familie beider Seiten gelangten zu der Ansicht,dass ein Ende gemacht werden müsse, wenn man nicht schwere«Unglücksfälle» gewärtigen wolle. Die Berathungen führten zu demEntschlüsse, eine Entscheidung des Kurfürsten über die streitigenHut- und Triftgerechtsame auf Hoppenrade, Schrapsdorf und Feldder Lanke zu erbitten.
Da der älteste Sohn Frau Ottiliens und des seligen Joachim,Hans, mit Emerentia von Sparre vermählt war, deren Mutter eineFlans war, so scheinen Beziehungen zu dem Hofmarschall des Kur-fürsten, Christoph von Sparre, bestanden zu haben und hat dieserwohl den Vermittler bei dem Kurfürsten gespielt. Ihn ernannteKurfürst Joachim nebst dem Rathe Jakob von Hohendorf undden Kammersekretären Kaspar Meinau und Andreas Weisbrod