der Frau Hofmarschallin, mit einem Hass betrachtet, der wenigverwandtschaftlichen Charakter trug.
Neun Jahre wohnten die Verwandten zusammen in der alten,von Jahr zu Jahr, mehr verfallenden Burg. Marschall Jakob, ver-ständniss- und einsichtsvoll, wird so manches Mal bei seinem VetterJoachim, besonders aber bei den feindlichen Damen zum Gutengeredet und Streit geschlichtet haben, aber die Gegensätze warenzu stark, um einen innerlichen und dauernden Ausgleich zu ge-statten. Das Schicksal fügte es, dass die beiden Vettern von derBurg Löwenberg, Joachim von Hoppenrade und Jakob von Lieben-berg, in ein und demselben Jahre, 1560, das Zeitliche segneten.So standen sich plötzlich die feindlichen Damen als Wittwen, ohneden besänftigenden Einfluss der Männer, gegenüber. Frau Ottilie,Joachims Witwe, hatte drei Söhne und eine Tochter; Frau Ingeborg,Jakobs Witwe, zwei Söhne und zwei Töchter. Ihre Kinder heirateten,ihre Söhne hatten den väterlichen Besitz angetreten und erschienen mitden von ihnen gewählten Gattinnen gleichfalls in der Burg Löwenberg.Kein Wunder, dass die beiden Wittwen, die sich als Chefs ihrer Linienfühlten, in immer stärkere Gegensätze geriethenl In jene Zeit fälltunzweifelhaft die Begründung Liebenbergs und Hoppenrades alsWohnsitze. Es mussten einige der Angehörigen Platz machen, umden Andern eine erträgliche Existenz in der Burg Löwenberg zuschaffen. Trotzdem war die Erleichterung nicht genügend, um diebeiden alternden weiblichen Häupter der feindlichen Linien zu beruhigen.
Das Leben in der verfallenden Burg erinnert an die Schilder-ungen eines Willibald Alexis. Der sich stetig steigernde Hass derfeindlichen alten Damen erhält immer neue Nahrung aus den viel-fach unklaren Eigenthums-Verhältnissen der beiden Linien. Diegemeinschaftlichen, zum Theil wüsten Feldmarken bildeten immervon Neuem Streitigkeiten, wenn die gemeinsame Nutzung derallernächsten Umgebung der Burg: Wasser, Früchte, Gemüse undGras einmal zum Schweigen gebracht war. Nichts konnte aberdie beiden alten Damen in grössere Aufregung bringen, als diezweifelhafte Hut- und Triftgerechtigkeit auf den nahe gelegenenFeldmarken von Hoppenrade, Schrabsdorf und an der Lanke.Hatte Frau Ottilie ihre Gänse auf das Feld der Lanke treibenlassen, wo der schnatternden Gesellschaft der Genuss zu Theil wurde,