Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
15
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IS -

«Uedem ist eine der ältesten Culturstätten des Niederrheins.Manche Funde weisen darauf hin, dass die Römer die fruchtbareFeldflur schon bebaut hatten.*) Auch die Merowinger besassenhier ausgedehnten Grundbesitz, den sie, und namentlich KönigDagobert, durch reiche Schenkungen an die Kölner Kirche zurweiteren Ausbreitung des Christenthums benutzten. Ein vonDr. Schölten beschriebener Memorienstein, der sich beim Abbruchdes alten Thurmes vorfand, weist darauf hin, dass vor dem Bauder um 1890 abgebrochenen Kirche bereits eine ältere hier be-standen haben muss. Die Gründung dieser ältesten Kirche ent-spricht nur der Thatsache, dass die frühesten christlichen Glaubens-boten bemüht waren, überall dort Gotteshäuser zu errichten, wo,wie in Uedem, der Cultus des Heidenthums (Odin) seinen Mittel-punkt gefunden hatte. Die Tradition lässt eben deshalb die alteKirche auch auf dem Grunde eines früheren heidnischen Tempelssich erheben. Weil Odeheim, Uedelheim, Udeheim, Oeden eineder ältesten christlichen Gemeinden war, zeigte der Pfarrverbandvon vornherein eine so ungewöhnlich grosse Ausdehnung, dassspäter Winnekendonk, Kervenheim, Weeze, wie auch ein Theil vonHülm davon abgezweigt werden konnten. Der früheste Bau deralten romanischen Kirche verliert sich im Dunkel der Zeiten. Dadas Uedemerbruch seit 1295 in Cultur genommen war, so musstewegen des Zuzugs einer zahlreichen Bevölkerung die bisherigeKirche 1323 durch Anbau des Chores vergrössert werden. DieVilla Uedem war nach den Mittheilungen von Dr. Schölten in alterZeit im Besitze des Erzstiftes Köln. Graf Diedrich von Clevenahm sie der Kölner Kirche, so dass diese schliesslich genöthigtwar, Uedem dem Clever Grafen als Lehen zu übertragen.»

*) In Liebenberg befinden sich Goldmünzen aus der Zeit des Kaisers Valen-tinianus, die auf Hertefelder Gebiet gefunden wurden.