GRAFEN V. TIIURN ü. VAI.SASSINA.
559
Sehr alles, angesehenes, weil verzweigtes und reichbegütertes gräf-liches Geschlecht, über welches sich sehr abweichende Angaben finden.Jacobi, ein sonst sehr tüchtiger und umsichtiger sächsischer Genealoge(Europ. Geneal. Handh. 1800. II, S. 307 — 373) macht einen Unter-schied zwischen den Grafen v. Thum, Valsassina und Taxis in Tirolund zwischen den Grafen v. Thum und Valsassina und hat allerdingsanscheinend die Heraldik für sich: die tiroler Ilaupllinie der Grafen Thumund Valsassina der neueren Genealogen führt im blauen Milleischilde denDachs. Jacobi nimmt die tiroler Grafen als Nebenlinie des fürstlichenHauses Thum und Taxis, und giebl an, dass dieselben in Roger I. dela Tour et Tassis et Valsassina, gest. 1456, einen gemeinschaftlichenStammvater hätten und von dem jüngeren Sohn desselben, Gabriel I.v. Taxis (Bruder Simons), abslammten. Gabriel 1. habe das Poslwesen inTirol eingerichtet, und die Nachkommen bekleideten daher die Oberst-llofpostmeisterstelle in Insbruck; Freiherr Franz Werner sei aus dieserLinie zuerst in den Reichsgrafenstand erhoben worden. Die Grafen v. Thumund Valsassina stammen nach Jacobi von Paganus de la Tour, Gouver-neur von Mailand, gest. 1241 — hier scheint leider der genannteSchriftsteller die Genealogie des fürstlichen Hauses Thum und Taxis nichtgenau gekannt und nicht gewussl zu haben, dass Lamoral 1. ein Nach-komme des Pagan II. war, und dass von ersterem Roger I. im dritten undSimon und Gabriel 1. im vierten Gliede stammten haben 1530 dieReichsgrafenwürde erlangt und llicilen sich in mehrere Linien: in dieältere Linie in Krain, Görz und Friaul, die Radmannsdorfer in Krain,die kärnlner, die steierische, die neuere böhmische Linie, die Linie zuBerg, Blidegg und Wartegg etc. — Das sogenannte VarrenlrappscheGeneal. Reichs- und Staats-Handbuch fassl die Grafen v. Thum undValsassina zusammen und giebl Folgendes an: der Reichsgrafenstandkam vom Kaiser Carl V. 1530 in die .Familie, welche in Italien, Tirol,Krain, Kärnten, Görz, Oesterreich und Böhmen begütert ist. AellereGeschlechlsforscher bringen die verschiedenen Linien unter vier Haupt—linien, welche vier Söhne des Paganus IL, gest. 1241 als Gouverneurvon Mailand, stifteten: Hebmann gründete die erste Ilaupllinie, dieLinie in Krain, Görz und Friaul, welche in zwei Acste zerfiel,Napoleon die zweite Hauptlinie, welche sich in die Aesle zu Berg,Wartegg und Blidegg schied, Salvinus die drille Hauptlinie, dieJohann Ludwigs- oder kärnlner Linie, welche sich in vierSpeciallinien, die Linie zu Radmannsdorf in Krain, die kärntner,steierische und höhmische Linie theilte, und Franz I. die vierteIlaupllinie, das gräfliche Haus von Thum, Valsassina und Taxiszu Insbruck. Die erste Ilaupllinie besitzt die Seniorais-Herrschaft undSladl Duin in Krain und Cormono, Spessa, Mercano, Segrado, Praslauund Rendschach, so wie das Oberst-Erb-Land-Hofmeisler-Amt in Krainund der windischen Mark und das Oberst-Erb-Land-Marschall-Amt inder gefilrslelen Grafschaft Görz und Gradiska. Die zweite Ilauplliniehatte sich zu Ende des 16. Jahrhunderts in der Schweiz niedergelassenund erhielt 1676 das Erb-Marschall-Amt der fürstlichen Abtei St. Gallen,