XIII
„Kirche. Eine ganz besondere Lust hatten diese Mädchen daran,„für arme Kinder Kleider zu machen und selten ging irgend ein„christliches Fest vorüber, an welchem nicht arme Kinder von„ihnen gekleidet mit ihnen zur Kirche gingen, und es ist Wohl„die Frage, wer bei diesen Kirchgängen die vergnügtesten ge-„wesen sind, die Kinder in ihren neuen Kleidern, oder die„Kinder, welche die Kleider gemacht und gegeben hatten. Als„nun jenseits der Elbe die Väter, sie hießen Hans von„Oerzen und Heinrich von Wietzendorf, ihre neu verliehenen„Besitzungen in Frieden bewohnen konnten, da mußten die„Frauen mit den Kindern nachkommen. Das ist aber den„Kindern ganz besonders nahe gegangen, sich von ihren vielen„kleinen Freundinnen zu trennen, denn damals war noch nicht„eine solche Trennung zwischen den Adeligen und Bauern, wie„jetzt, sondern die Adeligen sahen die Bauern als Glieder ihrer„Familie an, und wurden von ihnen als Eltern geliebt und„geehrt. Als nun die Väter gekommen waren, ihre Frauen„und Kinder abzuholen, da erhob sich viel Weinen und Klagen„unter allen. Sie gingen noch einmal allesammt in die Kirche„und wurden zu ihrem Ausgangs in das fremde Land einge-segnet. Nach dem Gottesdienste kam der Priester in die Burg,„und da wurden ihm von den abziehenden Eltern 25 Mark„Silber übergeben, welche Marie und Anna von ihren Vätern„erbeten hatten, damit auch nach ihrer Abreise die Kinder der„Armen mit Kleidern versehen werden könnten."
Diese ganze Darstellung ist aber Wort für Wort einejunge Dichtung, welche keine einzige urkundliche und alteGrundlage hat. In allen hannoverschen Archiven ist keinWort davon zu finden, keine alte sichere Chronik redet davon,kein bewährter hannoverscher Forscher kann diese Ansicht stützen,so viel ich mich auch darum bemüht habe. Ich wandte michdeshalb an den Herrn Pastor Harmö zu Hcrmannsburg selbst,welcher mir folgende Aufklärung zu geben die Güte gehabthat. „Die Chronik, ans welcher ich die im Missionsblatte„erwähnten Nachrichten excerpirt habe, befand sich auf dem„Gute Hermannsburg in der Schloßbibliothek. Bei dem Aus-Sterben des Geschlechts von Staffhorst im I. 1815 kam das