XIV
„Allodium an die Herren von Campen. Von letzteren ist die„Schloßbibliothek theils mitgenommen, theils verkauft worden.„Nun weiß ich nicht einmal, wohin die Chronik gekommen ist.„Sie war in plattdeutscher Sprache abgefaßt und muß den„Buchstaben nach etwa 1520 gedruckt (!) worden sein. Ich„habe mir die für die hiesige Kirche wichtigen Nachrichten„ausgezogen, welche natürlich keine öffentliche Glaubwürdigkeit„und für eine documentirte Geschichte keinen Werth haben."Dies ist also die Quelle, von der sich keine Spur weiter hatfinden wollen. Allem Anscheine nach ist die Sache in einerZeit gemacht, in welcher die Genealogen beliebig alle altenGeschlechter bis zu Carl dem Großen hinaufführten und diemcklenburgischen Geschichtschreiber den Ursprung des meklen-burgischen Fürstenhauses sogar von „Anthhriuö, einem General„Alexanders des Großen", herleiteten. Es läßt sich für dieseAnsicht gar nichts sagen, weil eö an jedem Mittel dazu fehlt.Dagegen läßt sich aber sagen, daß es nie eine Oerzenbnrg ander Oertze gegeben hat, sondern diese ebenfalls eine Erdichtungaus dem Flußnamen ist. Auch stimmt der älteste Näme desGeschlechts von Oertzen, welcher urkundlich Uritz und Ordessenlautet, nicht zu dem Namen des Flusses, welcher in alter Zeit,z. B. in dem Stiftungöbriefe des Bisthums Werden vom I.736, Ursena heißt; die Familie von Oertzen würde also inalter Zeit „von der Ursena" geheißen haben, wenn sie vondem Flusse den Namen hätte, wie die Familie „von der Lühe",welche ihren Namen von dem Flusse gleiches Namens zu habenscheint. Es wird also jedenfalls einstweilen das Sicherste undBelohnendste sein, an den Urkunden festzuhalten, nach welchendie Geschichte der Familie von Oertzen so alt ist, daß sieüber den Anfang der urkundlichen Geschichte Mcklenburgshinausreicht.
Schwerin, im August 1860.
G. C. F. Lisch.