Druckschrift 
Versuch einer Geschlechtsgeschichte des hochadelichen Hauses der Herren Behr im Hannoverschen und Curländischen : aus theils bereits gedruckten, theils ungedruckten Urkunden entworfen
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

II

angenehm, ja, um nicht zu trocken zu werden, nothwendig seyn mögten? DieSache spricht zu sehr für sich selbst, als daß sie verkannt werden könnte.Wer kann selbst mir den Vorwurf machen, daß ich nicht alle die Bemerkungenvon anderen Familien, die mir bei Bearbeitung des gegenwartigen Versuchessich aufgedrungen haben, nicht auch hierin niedergeschrieben habe? Sie gehörtennicht zu meinem Zwecke, mußten also wegbleiben, obgleich sie manchem Anderenweit mehr werth gewesen seyn mögten, als ihm meine Arbeit jetzt ist. Wennalso nicht der Zufall gewollt hat, daß eine Person, über welche man Aufklarungsucht, entweder in einer Urkunde als handelnd, oder als Zeuge vorkömmt: somuß man, ohne grade Klage über die anscheinende Sorglosigkeit damaligerZeit zu führen, sich lediglich auf dasjenige dankbar beschranken, was, obgleichoft nur dunkel, angegeben ist.

Der Chronikenschreiber von Rastede sowohl als Mußhardt können beidenicht als vollgültige Zeugen der weit früheren Zeiten Herzogs Heinrich desLöwen anerkannt werden. Ihre Angabe kann aber um deswillen, weil sie ihreQuellen nicht angegeben haben, noch nicht sogleich als unwahr verworfen wer-den. Sie erhalten einigen Glauben dadurch, daß in Urkunden aus etwas spa-teren, ja man mögte sagen, fast gleichzeitigen Jahren der Geschlechtsname Vehrwürklich vorkömmt. Eberhard Vehr erscheint in zwei Urkunden PfalzgrafsHeinrich vom Jahre 1197 als Zeuge, wie weiter unten nachgewiesen werdensoll. War nun ein Vehr in Gesellschaft des Sohns Herzogs Heinrich desLöwen: so ist es auch nicht unwahrscheinlich, daß ein Vehr in der Gesellschaftdes Vaters gewesen seyn soll, und man kann der Chronik von Rastede, so wieauch dem Mußhardt nicht um des willen, weil sie ihre Quellen nicht angegebenhaben, und nicht selbst Augenzeugen waren, so gradezu allen Glauben absprechen.

Die Chronik von Rastede hatte nicht den Zweck, die Geschichte HerzogsHeinrich des Löwen, oder die seiner Begleiter zu schreiben. Hatte das Schick-sal nicht gewollt, daß Erzbischof Hartwig von Bremen wegen Verlust der Ditt-marsen, welche mit Hülfe der Danen sich seiner Oberherrschaft zu entziehensuchten, grade zu jener Zeit sehr besorgt, und selbst zu schwach gewesen wäre,um diesen ihm in mehreren Rücksichten äußerst gefahrlichen Aufstand zu dampfen:so mögte wohl schwerlich der Ankunft des Herzogs und seines Gefolges injener Chronik gedacht seyn. So aber war er dem Erzbischofe nothwendig gewesen;

b 2