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1 (1881) Anhalt bis Bayern
Entstehung
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würden. Es sind aber solche Verzeichnisse weder eingeschickt, noch der Missbrauchgedachter Prädikate eingestellt worden. Der täglichen Erfahrenheit nach nennt und schreibtsich nicht nur ein Jeder in und auch ausser Bayern noch immer einen Grafen, Freiherrn,Ritter und Edelmann, sondern erhält sogar von kaiserlicher Administration besagte falscheTitel zugelegt. Es wird deshalb genannter Befehl erneuert und nicht nur anfangs erwähnteVerzeichnisse, sondern auch alle bayerische Origmal-Standeserhöhungs-Briefe innerhalb vierWochen um so gewisser nach Wien zu schicken befohlen, als man sonst gemüssigt wäre,den Reichshoffiskalen der Strenge seines Amtes zu erinnern.

G. Antwortschreiben der kaiserlichen Administration in Bayernd. d. München 21. Nov. 1712.

Hoher Aufforderung gemäss wurden aus den sogenannten Dekretbüchern bei demhiesigen Hofrath anliegende Spezifikationen ausgezogen, auch gleich dazu bemerkt, wo aufkaiserliche Diploma nur eine bayer. Ausschreibung erfolgt sei. Es muss aber vor allemnoch hinzugefügt werden:

Wie unter diesen die ältesten, vornehmsten und bekanntesten Familien desLandes einlaufen, welche bei vornehmen Stiftern angenommen, und mit vortrefflichenHäusern inn und ausser Lahdes durch Heirath verwandt und verknüpft sind; jetzt-zumalen bei öffentlichen Geprangen und in denen Collegien vor andern, die ihre Er-höhung zwar durch kaiserliche Ernennung erhalten, sonsten aber in der Extraktionselbigen nicht gleich sind, den Rang und Vorsitz haben; so ist schon selbiges Mal, alsEuer Kaiserl. Majestät allerdurchl. Herr Bruder und Vorfahrer im Reich dergleichenallererste Anbefehlung erlassen, in Erwägung gekommen, dass die Abthuung der Würdedieser so alten guten Familien sehr schwer fallen, und sowohl in den Collegien alsanderwärts zu E. K. M. sonder grossen Inconvenienzen causiren würde. Der Ursachwurde mit Dero Reichskanzler Graf Schönborn durch ein Privatschreiben in eine Be-nehmung gestellt, ob nicht ein anderes Expediens zu erfinden sein möchte, auf demzu Dato die Sache beruhend verblieben.

I. Spezifikation aller unter der Regierung von Ferdinand Maria (16541680) inBayern gegraflen, gefreiten und geadelten Geschlechter.

(Folgen die Namen, nach Rangklassen getrennt und zwar vorne immer je die Kaiser-lichen, dahinter die Kurbayerischen Erhebungen, ebenso)

II. Spezifikation aller unter der Regierung Max Emanuels (16801703) in Bayerngegraften, gefreiten und geadelten Geschlechter.

(Folgen die Namen, nach Rangstufen geordnet; hiermit ist die Angelegenheit an-scheinend beendet gewesen und Alles beim Alten geblieben.)

Am 7. September 1714 wurde Kurfürst Maximilian Emanuel, (welcher 17111713Fürst-Regent der Niederlande gewesen) in seine Lande*) und die Kurwürde wieder ein-gesetzt, und zog am 1 10. April 1715. wieder in seine Residenz München ein. 1724 schlosser mit sämmtlichen Fürsten des Hauses Wittelsbach einen Unionsvertrag zu München ab,wonach die Ausübung des Reichsvicariats in den Landen Bayerns, Schwabens und desFränkischen Rechts vom Hause Pfalz und Bayern jederzeit gemeinschaftlich aus-geübt werden solle. Am 26. Juni 1726 starb der Kurfürst Maximilian Emanuel, ihm suc-cedirte sein Sohn Karl Albrecht, welcher die Reichsgrafschaft Ifohenwaldeck ererbte unddie Reichsherrschaften Wartenberg, Sulzburg und Pyrbaum erkaufte. Vom 20. October 1740bis 11. Februar 1742 übte er, gemeinschaftlich mit dem Kurfürsten Karl Philipp von derPfalz (nach dem Tode Kaiser Karl VI.) das Reiehsvicariat**) gemäss dem Vertrage de 1724aus und wurde am 24. Januar 1742 zum Deutschen Kaiser gewählt und als Kaiser Carl VII.***)am 12. Februar ejd. zu Frankfurt a. M. gekrönt, aber der grösste Theil Bayerns ging, daer auch die Erbfolge in Oesterreich prätendirte, in Folge des Oesterreichischen Erfolgekriegesverloren, bis er 1744 durch Preussens Hülfe wieder in seine Lande eingesetzt wurde. Am20. Januar 1745 starb er, ihm succedirte sein Sohn Maximilian Joseph III. als Kurfürst inBayern und fungirte zugleich sofort als Reichsvicar, zur selben Zeit (bis 7. October 1745)

*) Zu diesen gehörte auch die geforstete Landgrafschaft Leuchtenberg (4 QM.), die von dem obener-wähnten Herzog Albrecht VI, seinem Bruder Kurfürst Maximilian I. abgetreten worden war und hierauf gewöhnlichdie Dotation der jüngeren Söhne gebildet hatte. Nach dem 1707 erfolgten Tode des Herzogs MaximilianPhilipp hatte sie an seinen Bruder Maximilian Emanuel zurückfallen müssen, wurde aber von Oesterreich wiedie anderen Lande mit Beschlag belegt, an die Fürston Lamberg verlehnt und fiel erst 1714 zurück.

**) Unbegreiflich ist es, dass weder im Reiclisheroldenamt zu München, noch im Staats - Archiv zuKarlsruhe sich die Akten über die Standeserhöhuugsdiplome dieses Reichsvicariats, welche die Unter-schriften beider Kurfürsten tragen, vorfinden: ich bin überzeugt, dass noch bei Weitem mehr als dievon mir gegebenen Diplome verliehen worden sind. Dies gilt auch für das Reiehsvicariat de 1612 und 1658.

***) Die von diesem Kaiser ertheilten Standeserhöhungsdiplome bringe ich hier zum ersten Male (ausden Akten in Wien) in ihrer Gesammtheit und verdanke dieselben Herrn Hauptmann Heyer von Rosenfeld ; siegehören hierher, weil die Begnadeten sämmtlich in den Rei ch s-Adel- (Frh.- Grf.-) Stand und dem derBayerischen Er Iii an de erhoben sind.