EINLEITUNG.
Iur besseren Orientimng über den zeit,weisen Stand und die Zugehörigkeit währenddes mehrfachen Territorialwechsels, sowie auch über die Rechtsverhältnisse der Adelsgeschlechterin Bayern habe ich nachstehend chronologisch ein Verzeichniss sowohl der vornehmstenhierauf bezüglichen landesherrlichen Verordnungen, wie auch der für die Regenten-, Adels-und Landesgeschichte Bayerns und der Pfalz wichtigsten Baten und Gewebsveränderungender letzten drei Jahrhunderte aufgestellt:
A., Bayern.
1465 succedirte Pfalzgraf Albrecht IV. bei Rhein, genannt der Weise, Herzog inOber- und Nieder-Bayern, seinem 1460 f Vater Albrecht III. Am 18. März 1508 starb der-selbe, ihm succedirte sein Sohn Pfalzgraf Wilhelm IV., Herzog in Ober- und Nieder-Bayern,seit 1514, laut Vertrag, in Condominat, mit seinem Bruder Ludwig, welcher in Landshutsass und über Landshut und Straubing gebot, aber am 22. 4. 1545 unvermählt starb.G. März 1550 starb Pfalzgraf Wilhelm IV., ihm succedirte sein Sohn Albrecht V., derGrossmiithige. 1567 erwarb er die Besitzungen der f Grafen von Haag und Hohen-schwangau. Am 24. October 1579 starb Albrecht V., ihm succedirte sein Sohn Wilhelm V.,der Fromme (f 17. 2. 1626), welcher aber schon am 4. Februar 1598 die Regierung seinemSohn Maximilian I., genannt der Grosse, abtrat. Unterm 25. Februar 1623 erhielt derLetztere, als Dank für die dem Kaiser im dreissigjährigen Kriege geleistete Kriegshülfedie Kurwürde, sowie am 22. 2. 1628 die Oberpfalz, (ferner auch noch die GrafschaftCham) wovon er indess nach dem Westfälischen Frieden die Untere Pfalz an Kurpfalzzurückgab. Am 27. September 1651 starb Kurfürst Maximilian I., ihm succedirte (bis1654 unter Vormundschaft seiner Mutter und seines Vatersbruders Albrecht VI., durchseine Gemahlin Mathilde Herr der gefiirsteten Landgrafschaft Leuchtenberg, 1647 damitbelehnt), Kurfürst Ferdinand Maria, welcher vom 3. April 1657 bis 1. August 1658(nach Kaiser Ferdinand III. Tode) das Reichsvicariat, verwaltete und am 26. Mai 1679starb und welchem sein Sohn Maximilian II. Emanuel als Kurfürst folgte. Derselbe musstewegen seiner Parteinahme gegen Kaiser Leopold I. im Spanischen Erbfolgekriege (am15. August 1702) flüchten, worauf Bayern von den Oesterreichern besetzt wurde, obwol dievom Kurfürsten mit Regierungsgewalt ausgestattete Kurfürstin Theresia Cunigunde nominellweiter regierte, bis 1705, in Folge der von den Anhängern des Kurfürsten, den aufgestandenenBauern des Oberlandes gegen die Oesterreichischen Occupationstruppen verlorenen SendlingerSchlacht, die Kurfürstin mit einer kleinen Apanage nach Venedig geschickt, die jungenKurprinzen als „Grafen v. Wittelsbach" in enger Gefangenschaft gehalten, Bayern als heim-gefallenes Lehen behandelt, die Böhmischen Lehen mit Oesterreich vereint wurden und am29. April 1706 der Kurfürst sogar in die Reichsacht erklärt ward.
1706—1712 herrschte Kaiserliche Administration in Bayern. Dieselbe führte mit dem'Hofe zu Wien über die vom Kurfürsten Maxim. Emanuel au seine Unterthanen angeblichunberechtigt verliehenen Standeserhöhungen die folgende, dem v. Leoprechting'schen Werkchenwörtlich entnommene Correspondenz*):
A. Schreiben Kaiser .Joseph's d. d. Wien 24. Mai 1709 an denAdministrator in Bayern.
Nachdem ermittelt worden, dass sich verschiedene bayer. Landstände gräflicher, frei-herrlicher und ritterlicher Prädikate anmessen, von denen man bei der Reichshofkanzlei
*) Sämmtliche Schreiben sind ihrem Inhalt nach getreuest wiedergegeben, jedoch mit Hinwcglassungder weitschweifigen brieflichen Conrtoisieen jener Zeit und mit Anpassung jetziger Schreibweise.