auf den allgemeinen Gang der Bevölkerungsentwickelung zumachen gestatten.
Es ist durchaus nicht meine Absicht, in dieser Beziehungeine Lösung dieser Fragen zu versprechen oder an diesem Orteerwarten zu lassen. Aber an gewisse alte, weitverbreitete Vor-stellungen darf wohl bei dieser Gelegenheit erinnert werden. Wieist es zu erklären, daß fast in jedem Volke die Sage der Ab-stammung von Einem Elternpaare vorhanden ist? Wie konnteein vernünftiger Grieche zu seinem Hellen und ein Deutscher zuseinem Tuisko gelangen, um von Adam und Eva nicht zusprechen, wenn er doch wußte und einsah, wie sich seine Vor-fahren von Generation zu Generation aufsteigend verdoppelten?Vielleicht ließe sich die sagenhafte Vorliebe der Völker für dieAbstammung von einem Stammvater nicht unpassend aus derüberwiegenden Vorliebe der Menschen für die Descendenz gegen-über der Ascendenz erklären, jedermann denkt sich in seinerSelbstliebe vor allem als einen Stamm, von dem die Zweigeausgehen: der gewöhnliche Stammbaum fängt mit einemeinzelnen paare an. Die aufsteigende Ahnentafel pflegt raschvergessen zu werden, aber thatsächlich führt sie doch jeden Ein-zelnen zur Erkenntniß der Vielheit seiner Abstammung statt zurgeträumten Einheit! Ist es nun nicht sehr merkwürdig, daß dieVorstellung des genealogisch richtig gestellten Stammbaums mitdem einheitlich thronenden Elternpaar und der weit verzweigtenDescendenz durchaus über die naturgemäßere und thatsächlichimmer vorhandene Ahnentafel triumphirt, und daß alle Volks-entstehungslehren nur von jenem beherrscht sind? Oder sollteetwa auch bei genauerer Betrachtung der Ahnentafel schon voneinem uralten Weisen oder von irgend einem Sagenerfinder undLehrer der Menschheit ein Moment beobachtet worden sein,welches der Vorstellung von der Einheit der Abstammung voneinem einzelnen Elternpaare entgegenkam? Sollte derselben dieMeinung zu Grunde liegen, daß auch die Ahnentafel schließlichauf Ein paar von Stammeltern zurückführen könnte?
Alle diese Fragen bin ich weit entfernt, beantworten zuwollen. Was aber erwünscht zu sein scheint, wäre eine mehrund mehr zu verbreitende Ueberzeugung, von welcher ungemeingroßen Tragweite die Probleme sind, die von der wissenschaft-lichen, genealogischen Forschung theils schon seit ältesten Zeiten
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