— 103 —
name: Moltzan einen Ort bezeichnet, wo dieser Gottesverehrer wohnt.Zweifelsohne stammt der Name aus der wendischen Heidenzeit, wo jedernur einen Namen trug, der kein Familienname war und der Stammvaterder Familie Maltzan behielt bei der Christianisirung seinen Namen imfrommen Sinne als Familiennamen bei. In diesem Sinne wählte er wohlauch als Zeichen seiner Bekehrung und seines christlichen Glaubens dasursprüngliche Stammwappen der Familie, in Gold den Weinstock, mitdem sich Christus vergleicht und welcher schon das ganze Mittelalterhindurch ein ungewöhnlich lebendiges Bild des Herrn war. Die jetzt inder rechten blauen Schildeshälfte stehenden zwei Hasenköpfe kamenerst gegen Ende des 13. Jahrk. hinzu und deuten auf ein Allianzver-hältniss mit der 1494 ausgestorbenen Familie Ilasenkop, welches Ver-hältniss aber bis jetzt noch nicht ergründet ist. — Von den Nachkommendes obengenannten Behrend oder Bernhard Mulsan warLudolph Maltzan1277 Vormund der jungen Fürsten von Moklcnburg. Der jüngste Sohndesselben bestieg 1314 unter dem Namen: Hermann II. den bischöf-lichen Stuhl von Schwerin und hatte denselben bis 1322 inne. Als im14. Jahrh. die Erbämter gestiftet wurden, erhielten, s. oben, die v. M.in den Fürstentümern Pommern und Wenden das wichtige Amt derErbmarschälle. Später, 1487, theilte sich mit zwei Brüdern, Behrendund Lüdeke, der Stamm in zwei grosse Zweige. Es kaufte nämlich Beh-rend M. auf Wolde die böhmischen Herrschaften Graupen und Töplitz,wurde 1501 mit der Baronin Pcnzlin belehnt und ist der nähere Stamm-vater der noch blühenden reichsgräflichen und reichsfreiherrlichen Liniezu Wartenberg u. Penzlin. Von Lüdeke M. aber, Herrn auf Sarow undOsten, h. pomtn. Erblandmarschall, stammen die v. Maltzan, welche inPommern und Meklenburg im Besitze zahlreicher Rittergüter, so wieder Erbmarschall-Würde von Pommern sind. Einer Seitenlinie diesesStammes steht die Majorats-Herrschaft Ivenack zu, deren jeweiliger In-haber nach dem Obenerwähnten Namen und Wappen eines Grafenv. Plessen mit dem seinigen führt. Sonach blüht neben der freiherr-lichen Linie zu Wartenberg und Penzlin noch eine zweite freih. Linie,nämlich die zu Cummerow und Sarow, s. unten. — Ueber die Vorfahrendes obengenannten Behrend M. auf Wolde ergeben ältere Schriftsteller,welchen Gauhe u. A. gefolgt sind, Nachstehendes: in Pommern soll zu-erst um 10G0 — ein Jahr, welches, nach den Ergebnissen neuer undgenauer Forschungen über das Vorkommen der Familie in Meklenburg,nicht gewiss ist — Lüdert oder Lüden Moltzan auftreten und als einerder ersten Ritter, die sich in Pommern zu dem christlichen Glauben be-kannten, Schloss und Kirche zu Engelmünster erbaut haben. Aus seinerEhe mit Gisela entspross Bolco M., welcher den Stamm weiter fort-pflanzte. Von seinen Nachkommen erwarb Georg M. — Sohn HeinrichsM. u. einer v. Ahnen — durch Vermählung mit einer v. Königsmarkansehnliche Güter in der Mark Brandenburg. Der Urenkel desselben,Heinrich (II.) vermählte sich 1360 mit einer meklenburgischen Prin-zessin, der Enkelin Johanns III. Fürsten der Wenden zu Güstrow, er-hielt dadurch die meklenburgische Herrschaft Penzlin und brachte auchdie Erbmarsch all-Würde in den Herzogthümern Pommern und Cassuben