Fig. 19 zeigt die Ansicht dazu von vorn und zwar mit Anwendungeines Spitzbogenabschnittes. In Leipzig, wo die Vorplätze (Fluren) fast allerbesseren Häuser, so wie die meisten Läden gewölbt sind, kommt an älterenGebäuden diese Bogenform sehr häufig vor, und man entdeckt oft über ganzeinfachen Laden die prachtvollsten Gewölbe der Art, die man schon umdeswillen nicht ehren kann, weil die moderne Civilisation diese wahrscheinlich,und, wie einzelne Fälle zeigen, in ihrer ursprünglichen Gestalt sehr schönenHäuser der sie umgebenden Flachheit conform zu bilden, d. h. zumodernisiren versucht hat. Bei einiger Aufmerksamkeit findet man freilichimmer noch etwas daran, was nicht todt zu machen war durch alle be-absichtigte Eleganz.
Es empfiehlt sich diese Bogenform durch die geringe Höhe, die sieerfordert, durch ihre Biegsamkeit und dadurch, dass sie immer erlaubt, denDiagonalrippen eine vernünftige Gestalt zu geben, ohne zu solchen häss-lichen vergitterten Linien greifen zu müssen.
Fig. 20 zeigt den Durchschnitt durch Fig. 19.
Fig. 21 giebt einen überdeckt stehenden Gewölbeschaft, der so wiedie früheren mit Rücksicht auf eine darauf ruhende Aussenmauer entworfenwurde. Wie aus der Figur hervorgeht, sind die Profilirungen der Bogendurch Uebereckstellung zweier Quadrate erzielt, und die innere der über-stehenden Ecken giebt dann die Rippen des Gewölbes. Die Ecken a werdendurch kleine Kragsteine b in Fig. 22 getragen, und die äusserste derselben,die den Rippen gegenüber liegende c, läuft an der Frontmauer als Pfostenin die Höhe und konnte entweder unter dem Gesimse durch irgend eineMasswerkverzierung verbunden werden oder durch dasselbe durchlaufen undin Fialen oder Zinnenthürmchen endigen.
Fig. 23 zeigt den Ansatz der Rippen an dem Pfeiler. Eine ähnlicheAnordnung kommt an den schönen Laubengängen unter dem Rathhause inLübeck vor.
Fig. 24. Ein solcher Gewölbeschaft mit Strebepfeiler;
Fig. 25 der Aufriss dazu.
Fig. 26. Der Anschluss der Rippen an den Pfeiler, welche unähnlichden bisher vorgekommenen Fällen in eine Spitze zusammenlaufen, welcheAnordnung insbesondere bei Anwendung voller Spitzbögen von schönerWirkung ist.
Tafel 41.
Gewölbte Vorhallen in Ziegelbau.
Fig. 1. Eine mit einem Tonnengewölbe überdeckte Vorhalle, wobeidas Dach unmittelbar auf dem Gewölbe sitzt und der durchbrochene Giebelfrei in die Luft ragt. Der durch ein Versehen des Lithographen sehrcorrumpirte Fries, welcher um den Bogen läuft, könnte gemalt werden.
Fig. 2 zeigt den Grundriss dazu;
Fig. 3 den Durchschnitt durch das Gewölbe;
Fig. 4 eine grössere mit einem Kreuzgewölbe überdeckte Vorhalle.
Fig. 5. Der Grundriss dazu.
Fig. 6. Durchschnitt nach a b des Grundrisses.
Fig. 7, 8 u. 9. Ansichten der in Fig. 4 mit b bezeichneten Ziegel.
Fig. 10, 11 u. 12. Ansichten der in Fig. 4 mit b bezeichnetenZiegel, nach einem grösseren Massstabe.
Fig. 13. Profil des Steines, womit die Rippen des Gewölbes, welche,wie die Fig. 5 und 6 erweisen, ohne Kragstein aus den Ecken kommen,zu mauern wären.
Fig. 14. Eine an einer Hausfront mit einem halben überortgestelltenQuadrate vorstehende gewölbte Vorhalle, welche sich, wie der GrundrissFig. 15 erweist, noch in das Haus hinein erstreckt, so dass die Rippen vonzwei Gewölbe-Quadraten und die zwei halben vorderen auf dem Mittelpfeilera zusammenlaufen. Es ist angenommen, dass die Vorhalle durch einenErker überbaut sei.
Fig. 15. Der Grundriss dazu zeigt zugleich die Treppenanlage,wobei nur zu bemerken ist, dass die Stufen nicht, wie gewöhnlich geschehen,hart an die Mauer gesetzt sind, so dass das an der Mauer hinabfliessendeWasser unmittelbar in diese läuft, sondern dass an den in dem Sockelbefindlichen Werkstücken die Stufenanfänge sitzen, so dass die Fuge vonder Frontniauer entfernt wird. So sitzen die Anfänge der beiden unterstenStufen b c und c iJ in Fig. 15 u. 14 an dem Werkstück, dessen obereFuge in Fig. 14 mit e bezeichnet ist.
Tafel 42.
Eine grössere mit drei Kreuzgewölben überwölbte und mit einemErker überbaute Vorhalle.
Die Oeffnungen sind so eingerichtet, dass sie durch Fenster und Thürenverschlossen werden können, sollte das nicht geschehen, so könnten diegrossen Spitzbogen offen bleiben. Der Zirkel der Spitzbogen ist danachbestimmt, dass die Diagonalrippen einen vollen Halbkreis bilden.
Die Ausfüllung der Spitzbogen ist auf beiden Seiten verschieden ge-zeichnet. In der auf der linken Seite befindlichen hätten auch die Zwickelneben der mittleren Rosette masswerkdurchbrochen sein können. Die Con-struetion des durchbrochenen Masswerks der Rosette aus gebranntem Thongeschieht, indem die einzelnen durch die Fugen getrennten Stücken durcheiserne Dübel verbunden werden. Die Verglasung geschieht mit Bleileisten.
Die Verzierung des kleinen Feldes über der Thüre kann entwederdurch eine Platte von gebranntem Thon oder durch Malerei bewirkt werden.Baldachin so wie Kragstein über der Thüre sind von Sandstein, die Brüstungder oberen Fenster ist von Holz. Das Masswerk in den kleinen Thürmclien,welche die Ecken der Strebepfeiler belasten, ist von gebranntem Thon, dieKnöpfe, welche die Spitzen derselben bilden, sind von Kupferblech oderBlei und können vergoldet sein.
Alles Uebrige wird aus der Zeichnung deutlich sein. Zu geringererAusdehnung wäre der ganze Bau zu reduciren, wenn anstatt der drei unterenBogenöffnungen vier angeordnet und dann oben nur ein Fenster bleiben würde.
Die Kellertreppe, die etwa darunter angebracht sein könnte, ist mitdrei gegen einander stossenden Tonnengewölben, welche nach dem in Fig. 1mit i k l und in Fig. 3 mit i k bezeichneten Bogen zugewölbt sind undin welche die Kappen m n o in Fig. 3 sich einschneiden, überdeckt.
Dngewitter, Stein- und Ziegel-Architectur.
Die Rippen des Gewölbes der Vorhalle ruhen, wie Fig. 3 erweist,auf Kragsteinen, die in den Ecken nach zwei und sonst nach drei Seitendes regulären Sechsecks gebildet sind.
Fig. 2 zeigt den Grundriss der Halle auf der linken Seite, des Ober-baues auf der rechten;
Fig. 3 den Durchschnitt nach abedefgh in Fig. 1;
Fig. 4 einen der Kragsteine w im Grundriss;
Fig. 5 in der Ansicht;
Fig. 6 die Seitenansicht des ganzen Baues;
Fig. 7 und 8 Grund- und Aufriss der Ziegel w.
Fig. 9, 10 und 11 Grund- und Aufriss von vorn und der Seite derProfilirung des Mittelpfeilers p in Fig. 2;
Fig. 12 den Grundriss der Ziegel q in Fig. 1.
Tafel 43.
Verschiedene Steintreppen.
Fig. 1. Eine gewöhnliche Treppe mit zwei parallelen Läufen, derenStufen auf beiden Seiten in einer Mauer liegen, welche dann an den Stellen,wo es thunlich, durch Bogenöffnungen durchbrochen ist.
Fig. 2 zeigt den Aufriss und in demselben eine verschiedene Gestaltungder Bogenöffnungen. Während an dem unteren Theile die Durchbrechungerst oberhalb der Brüstung anfängt, reicht sie oben bis an die Stufen, welchedann durch dieselbe fassen und die Sohle derselben decken.
Fig. 3 giebt den Grundriss eines Pfeilers a b in Fig. 2 in grösseremMassstabe.
Fig. 4. Eine im Quadrat herumlaufende Treppe;
Fig. 5 der Aufriss hierzu;
Fig. 6 der Grundriss des Eckpfeilers a in Fig. 4 in grösserem Massstabe;
Fig. 7 die Deckplatte des Geländers zwischen den Pfeilern, woranzugleich der auch über die Pfeiler laufende Handlauf sitzt.
Fig. 8. Eine grosse Prachttreppe in einem gewölbten Raum;
Fig. 9 der Aufriss hierzu.
Die Construction wird aus der Zeichnung ersichtlich sein.
Fig. 10 zeigt den Grundriss der Pfeiler;
Fig. 11 das Profil der Wangenstücke, welche zwischen die Pfeilergespannt sind;
Fig. 12 das Profil der Stufen;
Fig. 13 den Pfeilersockel;
Fig. 14 den Theil a in Fig. 9 in grösserem Massstabe;
Fig. 15 den Durchschnitt hierdurch mit der Ansicht gegen b c inFig. 8;
Fig. 16 und 17 das Detail der kleinen Geländersäulchen.
Fig. 18 zeigt eine Wendeltreppe von Stein mit durchbrochenerSpindel;
Fig. 19 den Aufriss;
Fig. 20 eine Stufe im grösseren Massstabe.
Es bedeutet in dieser Figur ab c d die Grundform des Werkstückes,e s r q k g f die Form des Werkstückes an der Mauer, l m n 0 p i k dieGrundform an der Spindel, so dass also h i und p q die auf der Unterseitesichtbaren Fugen andeuten.
Fig. 21 zeigt das Profil der Spindel. Die Stufen sind nur aufgelegtund brauchen nur auf den Fugen der einzelnen Stücke der Spindel in die-selbe zu fassen, um ihr einen festeren Halt zu geben. In dieser Art sindmehrere alte Treppen in Leipzig ausgeführt, die Gliederung der Spindel giebtAnlass zur Bildung eines schönen Sockels, da vermöge der engen Spindel-öffnung die einzelnen Glieder eine von der verticalen nicht stark ab-weichende Richtung haben.
Tafel 44.
Unterwölbte Treppen.
Fig. 1 Eine dergleichen einfache, wobei statt der gebräuchlichen an-fangenden Bogenlinie die in Fig. 3 gezeigte angenommen wurde.
Die im Aufriss Fig. 2 sichtbare grosse Bogenöffnung ist nicht ganzdurchbrochen, wie sich aus einer Vergleichung des Grundrisses ergeben wird,sondern nur die Theile ab c d und e f g Ii sind es, indem nämlich inFig. 1 der mit dem Laufe l laufende Bogen, in welchem die Stufen ihrAuflager haben, mit i k m n, der mit e' laufende aber mit o p q rbezeichnet ist.
Fig. 4 zeigt den Grundriss des Pfeilers;
Fig. 5 den Aufriss;
Fig. 6 den Kragstein, auf welchem die Bogen an der Mauer ruhen;
Fig. 7 eine andere Grundform für denselben Pfeiler;
Fig. 8 den Durchschnitt nach der Länge eines Laufes;
Fig. 9 den Anfang und das Profil des steinernen Handlaufs.
Fig. 10 zeigt eine grosse unterwölbte Wendeltreppe, welche in einem,vor dem Gebäude stehenden Treppenthurme hinaufführt. Es ist die Anordnungderselben in der Weise gemeint, dass, wenn man von aussen durch die imAufriss Fig. 11 und Grundriss Fig. 10 mit a bezeichnete Thür hereinkommt,bei b der Antritt der Treppe liegt. Mittelst der hier liegenden 7 Stufenkommt man auf den Podest c, und von diesem in das erste Stockwerk. Durchdie weiteren Stufen gelangt man nach dem Podest d, von welchem aus mandurch die Thüre e, welche auch in Fig. 11 mit demselben Buchstaben be-zeichnet ist, auf den in der Stärke der Mauer angebrachten Balcon f, undso fort durch die weiteren Stufen nach dem über c liegenden Podest, undvon diesem in das zweite Stockwerk gelangt. Von dem letzten Podest anaber, der in Fig. 13 mit g bezeichnet ist, führt die grosse Treppe nichtweiter, sondern man gelangt durch die mit h bezeichnete, über h in Fig. 10liegende Bogenöffnung auf die innere Treppe, deren Podest i in Fig. 10auch in Fig. 13 mit i bezeichnet ist, von diesem auf den Dachboden, undvon da nach dem Dachboden des Hauses, oder weiter in das aus dem Dachehervorstehende kleine Thürmchen.
Die Anordnung der Gewölbe der verschiedenen Pfeiler und Mauer-stärke wird aus den Fig. 10, 11, 12 und 13 hervorgehen.
Fig. 14 zeigt einen Eckpfeiler des grossen Thurms;
Fig. 15 des kleinen Thürmcliens in grösserem Massstabe.
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