DETAILS FÜR STEIN- UND ZIEGEL-ARCHITECTUR
VON G. G. UNGEWITTER.
ERKLÄRUNG DER TAFELN.
Tafel 1.
Verschiedene Arten Sockelprofilirungen, sowohl für Ausführungim Ziegel- als im Quaderbau.
Der Zweck der Sockelgesimse im Allgemeinen ist, den Mauervorsprungdes Sockels abzudecken, dalier die daselbst anzubringenden Profile der Artsein müssen, dass sie den Wasserablauf befördern und dem zurückspritzendenWasser eine solche Richtung geben, dass dasselbe nicht wieder an die Front-mauer zurück kommt.
Fig. 1 stellt die einfachste Art der Abdeckung in Ziegeln dar. Esist nämlich, wie der Durchschnitt Fig. 2 zeigt, dieselbe nur durch in einemWinkel von 45 0 auf den Yorsprung gelegte Ziegel a, welche oben ganzwenig in das Mauerwerk fassen, bewirkt. Es ist dies eine sehr anwendbareArt der Abdeckung, wie später noch in mehreren Fällen gezeigt wird, indemselbst ein etwa entstehender Schaden sehr leicht durch Einfügen eines neuenZiegels auszubessern ist.
Fig. 3 u. 4 giebt dieselbe Art der Abdeckung in 2 Absätzen übereinander, um ein reicheres Profil zu erzielen.
Fig. 5 stellt einen zierlicheren Sockel dar. Ueber der Abdeckungdes unteren Vorsprungs ist nämlich eine Kollschicht gemauert, in welcherjedoch in Entfernungen von vier Steinen immer zwei fehlen, so dass kleineVertiefungen entstehen. Fig. 6 giebt den Durchschnitt durch die Rollschicht,Fig. 7 durch die Vertiefungen.
Fig. 8 zeigt, wie man am einfachsten bei einer Sockelabdeckung dieserArt die Ecken erneuern kann. Es dürfte nämlich, wollte man in derselbenSchicht herumgehen, das Zusammenhauen der Abdeckungssteine auf Gehrung,welches dann nöthig würde, beschwerlich sein, weshalb denn vorgezogenwerden muss, mit der Abdeckung auf der Ecke um vier Schichten hinunterzu gehen. Es führt diese Bildung des Sockels von selbst auf die in
Fig. 9 u. 10 gezeigte hin. Es ist nämlich hier die wechselnde Höhedes Sockels auf die ganze Frontlänge beibehalten, wodurch eine bewegtereLinie hervorgebracht ist. Grösserer Zierlichkeit halber sind bei d drei Zollstarke Vertiefungen gemauert, welche dann mit Kalk ausgeputzt werden.In diesen Putzgrund kann man dann Ziegelstücke nach verschiedenen Formenhineindrücken, wie aus dem Profil Fig. 10 ersichtlich.
Fig. 11 u. 12. Ein reicherer Sockel im Profil mit doppeltem Absatzund eingemauerten Vertiefungen, deren Abdeckung unten auf dieselbe Weisebewirkt ist. Es sind hierbei gefasste Steine Fig. 13 zur Abdeckung an-genommen.
Fig. 14 u. 15. Abdeckung durch Formsteine bb. Hat man Gelegen-heit, Formsteine anzuwenden, so muss man hauptsächlich darauf sehen, ein-fache Profile und solche, die man nicht bloss an einer Stelle gebrauchenkann, fertigen zu lassen. Hier besteht das ganze Profil in einem mit einerFase verbundenen Viertelschlag. Die Formziegel sind im gewöhnlichenVerband umgebunden. Fig. 16 u. 17. Desgleichen; nur ist hier das obereProfil b durch eine Rollschicht bewirkt, so dass die Steine an der Stirneprofilirt sind.
Fig. 18 u. 19. Eine Abdeckung mit zwei Reihen Formziegel büber einander und eine Rollschicht darunter, welche mit gefasten Steinengemauert ist.
Fig. 20 bis 22. Ein Sockel in zwei Absätzen, worin eine Schicht,wie aus dem Grundriss Fig. 22 ersichtlich, überecks gemauert ist. Manmauert häufig ganze Fundamente so und bringt durch solche Schichtengrössere Verschiedenheit in die Richtung der Fugen und mehr Mannigfaltig-keit in das äussere Ansehen.
Fig. 23 u. 24. Ein grosser Sockel von Sandsteinen in Verbindungmit Ziegelmauerwerk. Im Allgemeinen ist es immer vorzuziehen, bei Auf-führung von Backsteinmauern alle Profile möglichst in demselben Materialzu bilden, welches in seiner Art einen eben so grossen Reichthum zulässt,als der Sandstein, und der höchsten Ausbildung und Mannigfaltigkeit fähigist. Auf keinen Fall ist einer Arcliitectur das Wort zu reden, in welcherdie Hauptmasse Ziegelmauerwerk ist und Sandstein nur sehr sparsam daangewendet wird, wo man ihn nicht vermeiden zu können glaubte, um ge-wisse Effecte und grössere Glätte in den Linien zu bewirken. Wenn irgendmöglich, so sollte man im Ziegelbaue alle arcliitectonischen Glieder durchFormziegel bewirken, wenigstens niemals der Anwendung von Sandstein denVorzug geben. Etwas ganz anderes ist es bei reicheren Architecturen, wodie ganze Construction des Baues von Sandstein und Ziegelmauerwerk nurzur Ausfüllung einzelner Theile verwandt ist. Was nun die Art der Pro-filirung für Sandsteinsockel betrifft, so gilt dabei eben so wie bei Ziegel-mauerwerk als erster Grundsatz, dass der Ablauf des Wassers befördertwerde. Man hat natürlich hierbei weit grössere Freiheit, als beim Ziegel-bau, dürfte jedoch auch hier des Kostenpunktes halber oft Rücksichten aufdie am leichtesten zu habenden Dimensionen nehmen müssen. Unter-schnittene Glieder sind hier überflüssig, indem der Wasserlauf dadurch mehrauf den Sockel selbst geleitet werden würde. Man würde aber auch vonetwaigen Unterschneidungen nicht einmal etwas sehen, da in den meistenFällen der Augenpunkt über der Oberkante des Sockelgesimses liegt. Diesämmtlichen Glieder an Sockeln sowohl als an anderen Profilirungen ausmathematischen Figuren und Zirkelschlägen zu bilden, dürfte wohl derrichtigste Weg sein. Alle Gründe einer raffinirteren Aesthetik, wonach esedler und genialer erscheinen soll, hierin nur dem Gefühl zu folgen unddie freie Hand zur Diejierin desselben zu machen, erscheinen unhaltbar,Alles, was man herausbringen kann, sind doch nur Linien, die aus Kreis-segmenten und geraden Linien bestehen, wenn sie nämlich einigermassencorrect gezeichnet sind, und daher dürften diese Verbesserungen durch dasGefühl eigentlich nur Mängel sein und nur dazu beitragen, die Wirkung
Ungewitter, Stein- und Ziegel-Arcliitectur.
der Profile matter zu machen. Wir werden später bei Bildung der andernGesimse nochmals auf diesen Gegenstand zurückkommen.
Fig. 25 u. 26. Ein kleiner Sandsteinsockel.
Fig. 27 u. 28. Desgleichen.
Fig. 29 u. 30. Ein grösserer in Verbindung mit Bruchsteinmauer-werk. Soll dies Mauerwerk geputzt werden, so muss natürlich der Sand-stein um die Putzstärke gegen dasselbe vorspringen. In allen Fällen, woSandsteinarbeiten mit anderem Material in Verbindung kommen, ist es (wiehier in allen Durchschnitten gezeigt) rathsam, die einzumauernden Sandstein-stücke nicht gerade mit der Ober- und Unterkante der Profilirung schliessen,sondern immer erst ein kleines Stück, das die Mauerflucht hält, daransitzen zu lassen. Insbesondere aber beim Putz ist dies von Vortheil, indemderselbe oftmals nicht so genau zu machen ist, mithin mehr oder wenigerunregelmässig in die Profilirung hineinschneiden würde, während auf dieseWeise' gleich die Flucht des Putzes gegeben ist.
Fig. 31 u. 32. Ein Sockelgesims mit vorgeblendetem Sandsteine inden Flächen. Diese Art der Decoration ist nicht zu empfehlen. Ganz ver-werflich erscheint sie aber, wenn diese Verblendung um die Ecken herum-läuft, z. B. bei Fenstern und Thüren, so dass dann auf 2 oder 3 ZollTiefe der Leibung von der Vorderflucht an gerechnet je nach der Stärkeder Platten schon eine Fuge kommt, an welche dann senkrecht dagegenwieder die andere die Leibung verkleidende Platte gestellt wird. Wenn zu-fällig eine solche Construction einmal von langer Dauer sein sollte, so giebtsie wenigstens einen Begriff von Unsolidität und schlechter Arbeit, der aufkeine andere Weise zu erreichen ist. Will man aber doch mit Sandsteinverblenden, so müssen wenigstens die Fenster- und Thürgewände und dieoberen und unteren Glieder, wie hier in der Zeichnung zu sehen ist, massivsein und auf diese Weise ein gehöriger Verband mit der Mauer hergestelltwerden. Besser ist es immer, dergleichen zu vermeiden. Da, wo man amhäufigsten in die Versuchung kommt, derlei Verschönerungsmittel anzu-wenden, bei geputzten Mauern, ist es wirklich auch überflüssig, indem esvollkommen eben so gut ist, die Fläche zu putzen.
Fig. 33. Ein reicher profilirter Sockel.
Tafel 2.
Verschiedene Arten von Kellerfenstern.
Die Kellerfenster sind in der heutigen Arcliitectur ganz als Aschen-brödel behandelt worden, und es ist keine Art der Anordnung zu schlechtfür sie. Man zieht beim Entwurf eines Gebäudes gewöhnlich die Sockel-linien durch und besinnt sich erst nachher, dass es doch räthlieh ist, demKeller auch Licht zu geben, und so bringt man die Kellerfenster denn hin,wo man kann. Natürlich lassen die heutigen Begriffe von Schönheit nichtzu, sie dahin zu stellen, wo sie für den Keller am nutzbarsten sind. Manbefolgt nur die Regel, sie ja genau unter die oberen Fenster zu stellen.Fanatiker der Aesthetik pflegen in solchen Fällen sogar Nischen, blindeFenster und dergleichen zu machen. Um mehr bekümmert man sich nicht;schneiden sie mitten durch das Sockelprofil, so bedauert man das eben unddenkt, es sind einmal nothwendige Uebel; am besten ist, man macht sie so,dass Jeder sieht, wie sie zu betrachten; sie müssen aussehen, wie fehlendeQuader; oder man denkt auch eben gar nichts, sondern zeichnet bloss anden durch Symmetrie und Aesthetik vorgeschriebenen Ort ein Quadrat oderOblongum, welches dann das Fenster vorstellt. Um Wasserablauf von derSohlbank, um eine für das Eindringen des Lichtes vortheilhafte Formkümmert man sich auch nicht. Und doch ist die Anordnung eines Keller-fensters gerade so wichtig, wie die eines jeden andern, dass man dabeikeinen grossen Reichthum der Formen und Verzierungen anwenden kann,versteht sich von selbst, aber eine passende Form kann man ihnen dochgeben und die daran laufenden Glieder so damit in Verbindung bringen,dass sie sich gut auflösen lassen. Freilich hat die Anwendung bei denstädtischen Wohnhäusern, wo oft eine nur sehr geringe Sockelhöhe vor-handen ist, einige Schwierigkeiten, wir werden in den folgenden Figurenversuchen, mehrere derselben zu überwinden.
Fig. 1 stellt den einfachsten Fall vor, wenn es nämlich noch möglichist, die Kellerfenster in der Höhe des Sockels zu halten. An dem Sturzlaufen dann, wie aus Fig. 2 ersichtlich, die Glieder des oberen Sockel-gesimses durch. Das Gewände selbst hat nur einen Fasen als Profil. DieArt, wie dieser Fasen sich mit dem unteren Sockelfasen vereinigt, ist ausder Figur ersichtlich. Es ist keine hölzerne Fensterzarge angenommen,sondern der Fensterflügel schlägt gleich an das Gewände. Ist man durchdie Gewölbehöhe im Innern beschränkt, so kann man, wie hier gezeigt ist,die Fenster so weit verändern, dass sie noch in die Mauerstärke hinein-schlagen. Wegen mangelnder Höhe ist der Sohlbank eine ziemlich flacheNeigung gegeben, dagegen aber eine Wulst daran sitzen gelassen, aufwelche der Wasserschenkel des Fensters schlägt. Steht ein solches Fensternicht wieder unter einem Fenster, so ist es nothwendig, über den Sturzeinen Bogen zu schlagen.
Fig. 3. Das Sockelgesims würde hier gerade durchlaufend durch dasFenster schneiden, es ist deshalb um dasselbe herumgekröpft und bildet aufdiese Weise das Werkstück, an welchem es befindlich ist, den Sturz desKellerfensters. Unter diesem liegt aber, wie die Fugen zeigen, noch einzweites Stück als eigentlicher Sturz, und gewinnt man auf diese Weiseeine grössere Lichtöffnung. Aus gleichen Gründen ist auch die Oberkanteder Sohlbank mit der Oberkante des Trottoirs in gleiche Höhe gelegt, wo-durch denn vor dem Fenster, wie Fig. 4 zeigt, eine Vertiefung entsteht,die mit Sandsteinplatten gedeckt werden kann. Das hier hineinlaufendel Wasser fliesst durch die in dem Sclilengelstück a befindlichen Oeffnungen
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